„Ich bin Herr von Geeland, Graf von Gavergaëten, Baron von Tuchtendeel, und in Damm, meiner Vaterstadt, habe ich fünfundzwanzig Morgen Mondschein.“
„Was ist das für ein Landgut?“ fragte die Wirtin und trank aus Ulenspiegels Humpen.
„Das ist eine Besitzung, auf der man das Korn der Täuschungen, der leeren Hoffnungen und der luftigen Versprechen säet. Aber Du bist nicht im Mondschein geboren, holde Wirtin mit der ambraduftenden Haut und den Augen, die wie Perlen glänzen. Das bräunliche Gold dieser Haare hat die Farbe der Sonne; Venus, die neidlose, machte Dir die üppigen Schultern, die prallen Brüste, die runden Arme und die zierlichen Händlein. Werden wir heute Abend mitsammen speisen?“
„Schöner Pilger aus Flandern,“ sprach sie, „warum kommst Du hierher?“
„Um mit dem Papst zu sprechen,“ versetzte Ulenspiegel.
„Ach,“ sprach sie, die Hände faltend, „mit dem Papst zu sprechen; ich, die ich aus diesem Lande stamme, habe es nimmer vermocht.“
„Ich werde es tun“, sprach Ulenspiegel.
„Aber,“ sagte sie, „weißt Du, wohin er geht, wie er ist? Kennst Du seine Gewohnheiten und seine Lebensweise?“
„Man hat mir unterwegs erzählt, daß er Julius III. heißet, daß er ein Wüstling, lustig und ausschweifend ist, geschickt in der Unterhaltung und scharfsinnig in seinen Antworten. Auch hat man mir gesagt, daß er für einen kleinen schwarzen, schmutzigen und ungesitteten Bettelbuben, der mit einem Affen um Almosen bettelt, eine außerordentliche Freundschaft gefaßt hat. Da er auf den päpstlichen Stuhl gelangte, hat er ihn zum Kardinal der Anleihen gemacht, und er soll krank sein, wenn er einen Tag verbringt, ohne ihn zu sehen.“
„Trink,“ sagte sie, „und sprich nicht so laut.“