Um wenig Geld
Gott wird’s ihm lohnen.
Und auf zehn Meilen im Umkreis kamen Käufer zu ihnen. Der eine der guten Brüder predigte oftmals zum Volke; er hatte ein feistes, blühendes Gesicht und trug sein dreifaches Kinn und seinen Bauch ohne Verlegenheit zur Schau.
„Unglücklicher,“ sprach er und heftete seine Augen auf den einen oder den andern seiner Zuhörer: „Unglücklicher, da bist Du in der Höllen; das Feuer verbrennt dich grausam, man lässet Dich in einem Kessel voll siedenden Öls kochen, worin man die Ölkuchen der Astarte bereitet. Du bist nichts als eine Blutwurst auf Luzifers Ofen, eine Hammelkeule auf dem Gilgiroths des großen Teufels, denn zuvor schneidet man Dich in Stücke. Siehe diesen großen Sünder, der den Ablaß verachtete, siehe diese Schüssel mit Hackfleisch, das ist er, das ist er, sein ruchloser Körper, sein verdammter Körper also zusammengekocht. Und was für eine Brühe! Schwefel, Pech und Teer. Und solchergestalt werden alle diese armen Sünder gefressen, um beständig für die Qual neu geboren zu werden. Da ist wahrlich Heulen und Zähneklappern. Habe Mitleid, Gott der Barmherzigkeit! Ja, da bist Du in der Hölle, armer Verdammter und leidest all diese Qualen. Gibt man nur einen Heller für Dich, so spürst Du jählings Linderung an Deiner rechten Hand; gibt man noch einen halben mehr, siehe da, Deine beiden Hände sind aus dem Feuer. Aber der übrige Körper? Ein Gülden, und der Tau des Ablasses fällt. O köstliche Kühlung. Und das zehn Tage, hundert Tage, tausend Jahre, je nachdem man zahlt: kein Braten, keine Ölkuchen, kein Hackfleisch mehr. Und wenn es nicht für Dich Sünder ist, gibt es nicht in den geheimsten Tiefen des Feuers arme Seelen? Deine Eltern, ein liebes Weib, ein holdes Mägdlein, mit dem Du gern sündigtest?“
So sprechend, stieß der Mönch den Frater, der mit einem silbernen Becken neben ihm stand, mit dem Ellenbogen an. Bei diesem Zeichen schlug der Bruder die Augen nieder und schüttelte salbungsvoll sein Becken, um das Geld herbeizulocken.
„Hast Du nicht“, sprach der Mönch weiter, „in diesem gräßlichen Feuer einen Sohn, eine Tochter, irgend ein geliebtes Kindlein? Sie schreien, sie weinen, sie rufen Dich. Könntest Du bei diesen kläglichen Stimmen taub bleiben? Du könntest es nicht. Dein Herz von Eis schmilzt; aber das wird Dir einen Gülden kosten. Und schau: beim Klang dieses Karolus auf diesem geringen Metall (des Mönches Kumpan schüttelte abermals das Becken) entsteht ein leerer Raum im Feuer, und die arme Seele steigt bis an die Öffnung irgend eines Vulkans. Nun ist sie in der frischen Luft, der freien Luft! Wo ist die Pein des Feuers? Das Meer ist nahe, sie stürzt sich hinein, sie schwimmt auf dem Rücken, auf dem Bauch, auf den Wogen und unter ihnen. Horch, wie sie vor Freude jauchzt, wie sie sich im Wasser wälzt! Die Engel schauen sie an und sind glücklich. Sie erwarten sie, aber sie hat noch nicht genug, sie möchte ein Fisch werden. Sie weiß nicht, daß es da oben labende, duftende Bäder gibt, darinnen große Stücke weißen Kandiszuckers schwimmen, so kühl wie Eis. Ein Hai erscheint; sie fürchtet ihn nimmer. Sie steigt auf seinen Rücken, aber er spürt sie nicht; sie will mit ihm in die Tiefen des Meeres tauchen, dort will sie die Engel der Gewässer begrüßen, Waterzoey (Wassertiere) aus Korallenkesseln und frische Austern von Perlmutterschalen essen. Und wie wohl wird sie dort empfangen, gefeiert und gehätschelt. Die Englein rufen sie immerdar von oben. Siehst Du, wie sie endlich erquickt und glücklich, gleich einer Lerche, sich singend in den höchsten Himmel erhebt, wo Gott in seiner Herrlichkeit thront? Dort findet sie alle ihre irdischen Verwandten und Freunde, ohne allein jene, so im Abgrund der Höllen brennen, dieweil sie den Ablaß unsrer Heiligen Mutter Kirche geschmäht haben. Und also immer, immer, immer, bis in Jahrhunderte von Jahrhunderten, in der brennenden Ewigkeit. Aber die andre Seele ist bei Gott, erfrischt sich in köstlichen Bädern und knuspert Kandiszucker. Kauft Ablaß, Brüder, er wird für Cruzados, für Goldgülden, für Sovereigns aus England erteilt. Auch Kippergeld wird nicht zurückgewiesen. Kauft, kauft! Dies ist der heilige Kramladen. Hier ist Waare für Arme und für Reiche, aber es ist uns schier leid: wir können nichts auf Borg geben, Brüder, denn kaufen und nicht baar bezahlen ist ein Verbrechen in den Augen des Herrn.“
Der Bruder, der nicht predigte, schüttelte seine Schale und die Gulden, Cruzados, Dukaten, Groschen, Heller und Pfennige fielen hageldicht darauf nieder.
In Ansehung seines Reichtums zahlte Klas einen Gülden für zehntausend Jahre Ablaß. Die Mönche gaben ihm dafür ein Stück Pergament.
Aber in Bälde, da sie sahen, daß in Damm nur noch Geizhälse übrig waren, die keinen Ablaß gekauft hatten, machten sich die beiden nach Heyst auf.