„Wenn Du ein Maler und aus Flandern bist,“ sagte der Hauptmann, „so tritt ein, und ich werde Dich zu meinem Herrn führen.“
Da Ulenspiegel vor den Landgrafen geführt ward, grüßte er ihn dreimal und noch mehr.
„Geruhen Euer Landgräfliche Gnaden“, sprach er, „meine Dreistigkeit zu entschuldigen, wenn ich es wage, zu Ihren edlen Füßen eine Malerei niederzulegen, die ich für Sie machte, und worauf ich die Ehre hatte, die Jungfrau in kaiserlichem Schmuck zu konterfeien.“
„Diese Malerei“, fuhr er fort, „wird Euch vielleicht genehm sein. In dem Falle macht mich meine Kunst so vermessen, auf eine Erhöhung meines Sitzes bis zu diesem schönen Armsessel von rotem Sammet zu hoffen, worinnen zu seinen Lebzeiten der unvergeßliche Maler Euer großmütigen Gnaden saß.“
Da der Herr Landgraf das Gemälde, das schön war, betrachtet hatte, sagte er:
„Du sollst Unser Maler werden, setz Dich dort auf den Armstuhl.“ Und er küßte ihn fröhlich auf beide Wangen. Ulenspiegel setzte sich.
„Schier zerlumpt schaust Du aus“, sprach der Landgraf, ihn betrachtend.
Ulenspiegel erwiderte:
„Wahrlich, Euer Gnaden, Jef, das ist mein Esel, fraß Disteln zu Mittag, aber ich lebe seit drei Tagen nur von Elend und nähre mich vom Dunste der Hoffnung.“
„Du wirst alsbald besseres Fleisch zum Nachtmahl haben,“ entgegnete der Landgraf, „aber wo ist Dein Esel?“