„Ich habe ihn auf dem Schloßplatz gelassen, dem Palast Eurer Gnaden gegenüber. Ich wäre recht froh, wenn Jef Obdach, Streu und Futter für die Nacht fände.“
Der Herr Landgraf befahl stracks einem seiner Pagen, Ulenspiegels Esel zu behandeln, als wär’s sein eigner.
Alsbald kam die Stunde des Nachtmahls. Da war eitel Hochzeit und Gelage, und die Fleischspeisen dampften immerfort und die Weine strömten in die Kehlen.
Ulenspiegel und der Landgraf waren alle beide so rot wie glühende Kohlen; Ulenspiegel ward lustig, aber der Landgraf blieb nachdenklich.
„Unser Maler,“ sagte er plötzlich, „Du mußt mich malen, denn es ist für einen sterblichen Fürsten eine gar große Genugtuung, seinen Nachkommen sein Antlitz zum Gedächtnis zu hinterlassen.“
„Herr Landgraf,“ versetzte Ulenspiegel, „Euer Wille ist mein Wunsch; aber mir Armseligen scheint, daß Eure Liebden so ganz allein konterfeit in den künftigen Zeiten nicht viel Kurzweil haben würden. Ihr müßt in Gesellschaft Eurer edlen Gemahlin, der Frau Landgräfin, hochdero Damen und Herren und Eurer tapfersten Hauptleute und Offiziere sein, in deren Mitte der hohe Herr und die hohe Frau wie Sonnen unter Laternen erglänzen werden.“
„Fürwahr, Unser Maler,“ erwiderte der Landgraf, „und was soll ich Dir für diese große Arbeit zahlen?“
„Hundert Gülden im voraus oder anders“, sprach Ulenspiegel.
„Hier sind sie im voraus“, sprach der Landgraf.
„Euer Mitleid, gnädiger Herr, gießt Öl auf meine Lampe; sie wird Euch zu Ehren brennen“, sprach Ulenspiegel.