Am folgenden Tag bat er Seine Gnaden den Landgrafen, Die, welchen er die Ehre des Konterfeis zugedacht hätte, an ihm vorbeiziehen zu lassen.
Da kam der Herzog von Lüneburg, der Feldhauptmann der Landsknechte im Dienste des Landgrafen, der seinen feisten Wanst nur mit großer Beschwerde schleppte. Er trat nahe an Ulenspiegel heran und säuselte ihm diese Worte ins Ohr:
„Wenn Du mir beim Abmalen nicht die Hälfte meines Fettes fortnimmst, so laß ich Dich durch meine Soldaten henken.“
Kam sodann eine hohe Dame; selbige hatte einen Höcker auf dem Rücken und eine Brust, so glatt wie die Klinge eines Richtschwertes.
„Meister Maler,“ sagte sie, „wenn Du mir nicht anstatt des einen, den du fortnimmst, zwei Höcker machst und sie nach vorne setzest, so laß ich Dich wie einen Giftmischer vierteilen.“
Kam ein junges Ehrenfräulein, blond, frisch und liebreizend, aber ihr fehlten drei Zähne unter der Oberlippe.
„Meister Maler,“ sprach sie, „wenn Du mich nicht malst, wie ich lache und zweiunddreißig Zähne zeige, so laß ich Dich durch meinen Herzallerliebsten in Stücke hacken.“
Und auf den Hauptmann der Scharfschützen weisend, der zuvor auf der Treppe des Palastes gewürfelt hatte, ging sie weiter.
Die Prozession nahm ihren Verlauf. Ulenspiegel blieb mit Seiner Gnaden dem Landgrafen allein.
„Wenn Du das Unglück hast,“ sprach dieser, „beim Konterfeien aller dieser Gesichter mit einem Strich zu lügen, so laß ich Dir den Hals abschneiden wie einem jungen Huhn.“