Nele beschützte ihre Mutter und rief:
„Gnade und Erbarmen, Ulenspiegel.“
Da hörte er auf, sie zu schlagen. Soetkin kam herbei und fragte, was geschehen sei.
Ulenspiegel zeigte ihr den erwürgten Hund und das leere Loch. Soetkin erblich und sprach:
„Deine Hand trifft mich schwer, Herr Gott! Meine armen Füße!“ Solches aber sagte sie wegen des Schmerzes, den sie daran hatte, und der Tortur, so sie unnütz für die Goldkarolus erduldet.
Da Nele Soetkin so sanft sah, verzweifelte sie und weinte.
Katheline schwenkte ein Stück Pergament und sagte:
„Ja, großes Wunder. Diese Nacht kam er, freundlich und schön. Er hatte in seinem Antlitz nicht mehr den bleichen Schimmer, der mich so bange machte, und sprach mit großer Zärtlichkeit zu mir. Ich war verzückt, mein Herz schmolz. Er sprach zu mir: Ich bin jetzo reich und werde Dir in Bälde tausend Goldgülden bringen.“
„Wohl,“ sagte ich, „aber des bin ich froh mehr deinet- als meinethalben, Hanske, mein Liebster.“
„Aber hast Du nicht daheim“, fragte er, „Etliche, die Du lieb hast, und die ich reich machen könnte?“ / „Nein, die so hier sind, bedürfen Deiner nicht.“ / „Du bist stolz,“ sagte er, „Soetkin und Ulenspiegel sind also reich?“ / „Sie leben ohne Beistand ihrer Nächsten.“ / „Ohngeachtet der Gütereinziehung?“ Auf solches antwortete ich, daß Ihr lieber hättet die Tortur erduldet, denn Euch Euer Vermögen nehmen lassen. / „Ich wußte es wohl“, sagte er. Und er hub an, mit verstohlenem, leisen Lachen des Amtmanns und der Schöffen zu spotten, daß sie nicht einmal vermocht hätten, Euch zum Geständnis zu bringen. Darauf lachte ich desgleichen. „Sie sind doch nicht etwan so einfältig gewesen, ihren Schatz im Hause zu verbergen?“ Ich lachte. „Noch im Keller drinnen?“ / „Mit nichten,“ sagte ich. / „Noch im Garten?“ Ich antwortete nicht. „O,“ sagte er, „das wäre große Torheit.“