„Kleine,“ sagte ich, „sintemalen weder das Wasser noch seine Mauer reden werden.“ Und er lachte immer. Diese Nacht ging er früher fort, als seine Gewohnheit ist, nachdem er mir ein Pulver gegeben hatte, mit dem ich, wie er sagte, zum schönsten Sabbat fliegen würde. Ich gab ihm im Hemde das Geleit bis an die Gartenpforte und war ganz schlaftrunken. Wie er gesagt hatte, ging ich zum Sabbat und kam erst um Tagesanbruch zurück. Da fand ich mich allhier und erblickte den erwürgten Hund und das leere Loch. Das ist ein gar schwerer Schlag für mich, die ihn so zärtlich liebte und ihm meine Seele gab. Aber Ihr sollt alles haben, was ich habe, und ich werde mit Füßen und Händen Euch Lebensunterhalt schaffen.“
„Ich bin das Korn unter dem Mühlstein, Gott und ein schurkischer Teufel suchen mich zur nämlichen Zeit heim,“ sagte Soetkin.
„Ein Schurke / sprechet nicht also von ihm,“ versetzte Katheline, „er ist ein Teufel, ein Teufel. Und zum Beweis werde ich Euch das Pergament zeigen, das er im Hof gelassen hat; hier stehet geschrieben: „Vergiß nimmer, mir zu dienen. In dreimal zween Wochen und fünf Tagen werde ich Dir den Schatz zwiefach zurückgeben; habe Du keinen Zweifel, sonst wirst Du sterben.“ Und er wird Wort halten, des bin ich sicher.“
„Arme Irre“, sprach Soetkin.
Und das war ihr letzter Vorwurf.
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Drei Wochen waren zweimal vergangen und die fünf Tage desgleichen, aber der teuflische Freund kehrte nicht zurück. Gleichwohl ließ Katheline die Hoffnung nicht sinken.
Soetkin, die nicht mehr arbeitete, saß immerdar hustend und gebückt am Feuer. Nele gab ihr die besten und duftigsten Kräuter; aber kein Heilmittel half ihr. Ulenspiegel ging nicht aus dem Haus, aus Furcht, daß Soetkin stürbe, dieweil er draußen wäre. Es geschah aber, daß die Witwe nicht mehr essen noch trinken konnte, ohne es zu erbrechen. Der Bader kam und ließ sie zur Ader; nachdem ward sie so schwach, daß sie ihre Bank nicht mehr verlassen konnte.