Und die zweite Schwalbe flog zwitschernd davon gleich wie die erste. Es wurde heller. Ulenspiegel sah Tausende von Schwalben über die Wiesen streichen und die Sonne ging auf.

Und Soetkin ward auf dem Totenacker der Armen begraben.


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Seit Soetkin tot war, ging Ulenspiegel sinnend, betrübt oder zornig in der Küche umher, hörte auf nichts und nahm ohne Wahl an Speise und Trank, was man ihm gab. Und oftmals stand er des Nachts auf.

Umsonst mahnte Nele ihn mit ihrer sanften Stimme zur Hoffnung. Vergeblich sagte Katheline zu ihm, sie wisse, daß Soetkin mit Klas im Paradiese sei. Ulenspiegel antwortete auf alles:

„Die Asche brennt.“

Und er war wie von Sinnen, und Nele weinte, da sie ihn also sah.

Indessen blieb der Fischhändler in seinem Haus allein wie ein Vatermörder und wagte sich nur Abends herfür; denn Männer und Frauen höhnten ihn und hießen ihn Mörder, wenn sie an ihm vorbeigingen. Die kleinen Kinder flüchteten vor ihm, denn man hatte ihnen gesagt, daß er der Henker wäre. Er irrte allein umher und wagte nicht, in einer der drei Schenken von Damm einzukehren; denn man wies dort mit dem Finger auf ihn, und so er nur eine Minute darin stehen blieb, gingen die Trinker hinaus.