So geschah es, daß die Wirte ihn nicht mehr bei sich sehen wollten, und wenn er sich einfand, schlugen sie ihm die Tür vor der Nase zu. Alsdann machte der Fischhändler ihnen demütige Vorstellungen, doch sie erwiderten, daß es ihr Recht sei, Getränk zu verkaufen, nicht ihre Pflicht.
Der Fehde müde, ging der Fischhändler zum Trinken In ’t Roode Valck (in den roten Falken), eine kleine Schänke fern von der Stadt an den Ufern des Kanals von Sluys. Da bediente man ihn, denn es waren dürftige Leute, die jegliches Geld gerne nahmen. Aber der Baas vom Roten Falken sprach nicht mit ihm, noch seine Frau. Es waren aber zwei Kinder und ein Hund da; wenn der Fischhändler die Kinder liebkosen wollte, so liefen sie davon; und wenn er den Hund rief, wollte dieser ihn beißen.
Ulenspiegel setzte sich eines Abends auf die Türschwelle; als Mathyssen, der Faßbinder, ihn so in Gedanken versunken sah, sprach er zu ihm:
„Du mußt Deinen Händen Arbeit geben und diesen Schicksalsschlag vergessen.“
Ulenspiegel antwortete:
„Klasens Asche brennt auf meiner Brust.“
„Ach,“ sagte Mathyssen, „er führt ein trauriger Leben als Du, der elende Fischhändler. Keiner spricht mit ihm und jeder flieht ihn, also daß er genötigt ist, bei den armen Lumpen im Roten Falken seine Kanne Braunbier einsam zu trinken. Das ist eine große Strafe.“
„Die Asche brennt“, sagte Ulenspiegel zum andern Mal.
Am nämlichen Abend, da die Glocke der Frauenkirche die neunte Stunde läutete, schritt Ulenspiegel nach dem Roten Falken. Sehend, daß der Fischhändler nicht dort war, streifte er unter den Bäumen, so den Kanal einfassen, umher. Der Mond schien hell.
Er sah den Mörder kommen.