„Heiß mich Spanier,“ sagte er, „dafern noch genug darin ist, um einen Sperling trunken zu machen.“

Lamm betrachtete die Flasche und ohne mit Greinen innezuhalten, wühlte er in seiner Weidtasche und zog eine andere Flasche und ein anderes Stück Wurst heraus, die er alsogleich in Stücke schnitt und trübsinnig kaute.

„Issest Du ohn Unterlaß, Lamm?“ fragte Ulenspiegel.

„Oftmals, mein Sohn,“ erwiderte Lamm, „aber es geschieht, meine traurigen Gedanken zu vertreiben. Wo bist Du, Weib?“ sagte er und wischte sich eine Zähre ab.

Und er schnitt sich zehn Scheiben Wurst.

„Lamm,“ sprach Ulenspiegel, „iß nicht so rasch und ohne Mitleid für den armen Wallfahrer.“

Lamm gab ihm weinend vier Schnitten und da Ulenspiegel sie verspeiste, ward er von ihrem guten Geschmack gerührt.

Aber Lamm sagte, immerfort weinend und essend:

„Mein Weib, mein gutes Weib! Wie sanft und wohlgeformt war ihr Leib! Sie war leicht wie ein Falter, rasch wie der Blitz und sang gleich einer Lerche. Sie schmückte sich freilich zu gerne mit schönem Putz. Ach, er kleidete sie so gut. Aber die Blumen haben auch reichen Putz. So Du ihre Händlein gesehen hättest, mein Sohn, die so zierlich liebkosten, hättest Du ihnen nimmer erlaubt, Pfanne noch Tiegel anzurühren. Das Küchenfeuer hätte ihre Haut, die so hell wie der Tag war, geschwärzt. Und welche Augen! Ich zerschmolz in Zärtlichkeit beim bloßen Anschauen. / Trink einen Schluck Wein, ich werde nach Dir trinken. Ach, warum ist sie nicht tot! Thyl, ich behielt mir in unserm Haus jegliche Arbeit vor, um ihr die mindeste Mühe zu ersparen. Ich kehrte die Stuben, ich machte das Ehebett, darinnen sie sich am Abend, vom Wohlleben ermüdet, ausstreckte; ich wusch das Geschirr und auch die Wäsche, die ich selbst bügelte. / Iß, Thyl, diese Wurst ist aus Gent. / Oftmals, wenn sie sich draußen erging, kam sie zu spät zum Mittagmahl; aber es war mir so große Freude, sie zu sehen, daß ich nicht wagte, sie zu schmählen. Ich war schier glücklich, so sie mir nachts nicht schmollend den Rücken kehrte. Ich habe alles verloren. / Trink von diesem Wein, er ist vom Brüsseler Weinberg, nach Art des Burgunders.“

„Warum ist sie fortgegangen?“ fragte Ulenspiegel.