Aber Lamm hörte ihn nicht und sprach, indem er den Turm der Liebfrauenkirche betrachtete:
„Heilige Frau Maria, Schutzpatronin der erlaubten Liebe, gib, daß ich noch einmal ihren weißen Busen, das weiche Schlummerkissen sehe.“
„Komm trinken“, sagte Ulenspiegel. „Du wirst sie finden, wie sie ihn in einer Schenke den Zechern zeigt.“
„Wagst Du so schlecht von ihr zu denken?“ fragte Lamm.
„Laß uns trinken gehen,“ sagte Ulenspiegel, „sie ist ohne Zweifel irgendwo Wirtin.“
„So redet der Durst“, sagte Lamm.
Ulenspiegel redete weiter:
„Vielleicht hat sie für die armen Wanderer eine Schüssel schönen gedämpften Ochsenfleisches aufgehoben, dessen Gewürze die Luft mit Duft erfüllen, nicht zu fett, zart und saftig wie Rosenblätter, und gleich Fastnachtsfischen zwischen Nelken, Muskat, Hahnenkämmen, Kalbsmilch und andern himmlischen Leckerbissen schwimmend.“
„Du Boshafter“, sagte Lamm, „Du willst mich gewißlich umbringen. Weißt Du nicht, daß wir seit zwei Tagen nur von trocknem Brot und Dünnbier leben?“
„Der Hunger redet aus Dir,“ versetzte Ulenspiegel. „Du weinst vor Begierde, komm essen und trinken. Ich habe da einen hübschen halben Gülden, der wird die Kosten unseres Schmauses decken.“