„Der gute Mann, er hat für das Heil meines armen Leibes gesprochen. Gott wird ihn segnen, und der Teufel — wenn anders es ein Teufel war,“ sprach sie mit Zittern, „der Dich armes Kleines, so sich in meinem Schoße regt, schuf.“
Soetkin und Katheline brachten die eine ein Knäblein, die andere ein Mägdlein zur Welt, und alle beide trug Klas als Sohn und Tochter zur Taufe. Soetkins Sohn ward Hans benannt und blieb nicht am Leben. Kathelines Tochter aber hieß Nele und gedieh wohl.
Sie trank den Lebenssaft aus vier Flaschen, den beiden von Katheline und den beiden von Soetkin. Und die beiden Frauen machten sich in Güte streitig, wer dem Kinde zu trinken gäbe. Doch trotz ihres Wunsches mußte Katheline ihre Milch versiegen lassen, damit man sie nicht fragte, woher sie käme, ohne das sie Mutter war.
Da die kleine Nele, ihre Tochter, entwöhnt war, nahm sie sie zu sich und ließ sie nicht eher zu Soetkin gehen, als bis sie sie Mutter genannt hatte. Die Nachbarn aber sagten, es sei gut von Katheline, die begütert war, daß sie das Kind von Klasens ernährte, welche ihr mühselig Leben in Armut hinbrachten.
16
Ulenspiegel war eines Morgens allein zu Hause, und da die Zeit ihm lang ward, so schnitt er an einem Schuh seines Vaters herum, auf daß er ein Schifflein daraus machte. Schon hatte er den Hauptmast in der Sohle aufgerichtet und das Oberleder durchbohrt, um das Bugspriet darin einzulassen, da sah er durch die Tür, deren obere Hälfte geöffnet war, den Leib eines Reiters und einen Roßkopf vorbeiziehen.
„Ist wer drinnen?“ fragte der Reiter.
„Anderthalb Mann und ein Pferdekopf.“