„Wir wollen selber singen,“ antworteten die unbekannten Lumpen. Solches taten sie in den Schiffen und bei der Vorhalle der Kirche. Etliche spielten mit krieke-steenen (Kirschkernen) und sagten: „Mieke, Du spielest nimmer im Paradies und hast keine Kurzweil; spiele mit uns.“

Und ohne Aufhören beschimpften sie das Marienbild und schrien, höhnten und pfiffen.

Der Markgraf tat, als ob er Furcht hätte, und ging hinaus. Auf seinen Befehl wurden alle Türen der Kirche bis auf eine geschlossen.

Ohne daß das Volk sich darein mischte, ward das fremde Lumpengesindel kecker und schrie noch lauter. Und die Gewölbe hallten wider wie Donner von hundert Kanonen.

Alsdann bestieg einer von ihnen die Kanzel, der mit dem Gesicht gleich einer verbrannten Zwiebel, welcher etliches Ansehen zu haben schien, winkte ihnen mit der Hand, predigte und sprach: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, die drei sind nur einer und einer drei, Gott bewahre uns im Paradies vor der Rechenkunst. Des heutigen Tages am fünfzehnten des Augustmonds ist Mieke im höchsten Staat ausgegangen, um ihr hölzernes Antlitz den Herren und Bürgern von Antwerpen zu zeigen. Aber während der Prozession ist Mieke dem Teufel Satanas begegnet, und Satanas, ihrer spottend, hat zu ihr gesagt: „Du bist schier stolz als Königin ausstaffiert, Mieke; Du wirst von vier Herren getragen und willst den armen Satanas, der auf Schusters Rappen reitet, nicht mehr anschauen.“ Und Mieke antwortete: „Hebe Dich weg, Satanas, auf daß ich Dir nicht noch mehr den Kopf zertrete, Du böse Schlange!“

„Mieke,“ sagte Satanas darauf, „mit diesem Geschäft verbringst Du seit fünfzehnhundert Jahren die Zeit, aber der Geist des Herrn, Deines Meisters, hat mich erlöset. Ich bin stärker als Du, Du wirst mir nicht mehr auf den Kopf treten, und ich werde Dich jetzo tanzen lassen.“ Satanas nahm eine große Peitsche, die scharf einschnitt, und hub an, Mieke zu schlagen. Sie wagte nicht zu schreien, aus Furcht, ihre Angst zu zeigen, und alsdann hat sie sich in den schnellsten Trab gesetzt, und die Herren, so sie trugen, gezwungen, auch zu laufen, um sie mit ihrer güldenen Krone und ihren Kleinodien nicht in das arme, gemeine Volk fallen zu lassen. Und jetzt steht Mieke still und steif in ihrer Nische und betrachtet Satan, der da oben auf der Säule unter der kleinen Kuppel sitzet und seine Peitsche hält und hohnlachend zu ihr sagt:

„Ich werde Dir das Blut und die Tränen heimzahlen, so in Deinem Namen fließen! Mieke, wie steht Dein jungfräuliches Befinden? Die Stunde ist gekommen, wo Du ausziehen mußt. Man wird Dich entzwei schneiden, Du häßliche, hölzerne Puppe, für all die Puppen aus Fleisch und Bein, so in Deinem Namen ohn Erbarmen verbrannt, gehenkt und lebendig begraben wurden.“ Also sprach Satanas und er sprach gut. „Du mußt aus Deiner Nische herabsteigen, blutdürstige, grausame Mieke, die Du Deinem Sohne Christo nicht ähnlich bist.“

Und höhnend und schreiend tobte der ganze Schwarm der Unbekannten:

„Mieke, Mieke, es ist die Stunde des Auszugs! Nehmet die hölzernen Heiligen fort! Auf, Brabant für den guten Herzog! Wer will ein Bad in der Schelde nehmen? Holz schwimmt besser als Fische.“

Das Volk hörte zu, ohne etwas zu sagen.