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Im folgenden Mond gab ein gewisser Doktor Agileus Ulenspiegel zwei Gülden und Briefe, mit denen er sich zu Simon Praet begeben sollte; der würde ihm sagen, was er tun sollte.

Ulenspiegel fand bei Praet Kost und Obdach. Sein Schlaf war gut und gut war auch sein jugendlich blühendes Antlitz. Praet hingegen war schwächlich und von kläglichem Aussehen und schien immer in traurigen Gedanken befangen. Ulenspiegel verwunderte sich des Nachts, wenn er von Ohngefähr erwachte und hämmern hörte.

So zeitig er aufstand, Simon Praet war vor ihm auf und sein Aussehen war noch kläglicher und seine Blicke noch trauriger. Sie erglänzten wie die eines Mannes, der sich auf den Tod oder die Schlacht bereitet.

Oft seufzete Praet, die Hände zum Beten gefaltet, und allezeit schien er voller Grimm. Seine Finger waren schwarz und schmierig, desgleichen seine Arme und seine Hand.

Ulenspiegel beschloß zu erfahren, woher das Hämmern, die schwarzen Arme und Praets Trübsinn kämen.

Eines Abends, da er in Simons Gesellschaft, der wider Willen dort weilte, in der Schenke zur „Blauen Gans“ gewesen war, stellte er sich als ob er so viel getrunken und solch einen Rausch im Kopf hätte, daß er ihn stracks auf das Kissen hinlegen müßte. Und Praet führte ihn traurig nach Hause.

Ulenspiegel schlief auf dem Boden bei den Katzen; Simons Bett war unten beim Keller.