Ulenspiegel stellte sich fürderhin trunken, stieg taumelnd die Stiege hinauf, tat, als ob er fiele, und hielt sich am Strick fest. Simon half ihm mit zärtlicher Sorgfalt wie ein Bruder. Nachdem er ihn zu Bett gebracht, ob seiner Trunkenheit bedauert und Gott gebeten hatte, sie ihm zu verzeihen, ging er hinunter, und alsbald vernahm Ulenspiegel die nämlichen Hammerschläge, die ihn manches Mal geweckt hatten.

Er stand geräuschlos auf, stieg barfuß die schmale Stiege hinunter, also daß er sich nach zweiundsiebenzig Stufen vor einer niederen Tür befand, durch deren Spalte ein schwacher Lichtschein drang. Simon druckte Flugblätter mit alten Lettern aus der Zeit von Laurens Costers, dem großen Verbreiter der edlen Buchdruckerkunst. „Was machst Du da?“ fragte Ulenspiegel.

Simon antwortete erschrocken:

„Wenn Du des Teufels bist, zeige mich an, auf daß ich sterbe. Bist Du aber Gottes, so sei Dein Mund Deiner Zunge Kerker.“

„Ich bin Gottes,“ antwortete Ulenspiegel, „und will Dir nichts Übles tun. Was tust Du da?“

„Ich drucke Bibeln,“ antwortete Simon. „Denn wenn ich über Tag, um mein Weib und meine Kinder zu ernähren, die grausamen und schlechten Edikte Seiner Majestät veröffentliche, so säe ich nachts das wahrhaftige Wort Gottes aus und mache so das Übel wieder gut, das ich am Tage tue.“

„Du bist tapfer,“ sagte Ulenspiegel.

„Ich bin im Glauben,“ entgegnete Simon.

Und wahrlich, aus dieser frommen Druckerei gingen Bibeln in vlämischer Sprache hervor, so sich in den Ländern Brabant, Flandern, Holland, Seeland, Utrecht, Nord-Brabant, Ober-Yssel und Gelderland verbreiteten, bis an den Tag, wo Simon verurteilt wurde, geköpft zu werden, und also sein Leben für Christum und die Gerechtigkeit vollendete.