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Eines Tages sagte Simon zu Ulenspiegel:

„Höre, Bruder, hast Du Mut?“

„Ich habe soviel, wie nötig ist, um einen Spanier zu peitschen, bis daß der Tod erfolgt, einen Meuchelmörder zu töten und einem Totschläger das Leben zu nehmen,“ entgegnete Ulenspiegel.

„Vermöchtest Du geduldig in einem Kamin auszuharren und zu horchen, was in einem Gemache gesprochen wird?“ fragte der Drucker.

Ulenspiegel antwortete: „Da ich durch Gottes Gnade ein starkes Kreuz und geschmeidige Kniekehlen habe, so könnte ich mich wie eine Katze lange festhalten, wo ich wollte.“

„Hast Du Geduld und Gedächtnis?“ fragte Simon.

„Klasens Asche brennt auf meiner Brust“, entgegnete Ulenspiegel.

„Höre denn,“ sagte der Buchdrucker. „Du wirst diese also gefaltete Spielkarte nehmen, nach Dendermonde gehen und allda zweimal stark und einmal leise an die Türe des Hauses pochen, dessen Abbild hier gezeichnet ist. Jemand wird Dir öffnen und Dich fragen, ob Du der Kaminkehrer bist. Du antwortest, daß Du mager bist, und daß Du die Karte nicht verloren hast. Du zeigst sie ihm. Alsdann, Thyl, wirst Du tun, was sein muß. Großes Unheil schwebt über dem Lande Flandern. Man wird Dir einen Kamin zeigen, der schon im voraus zugerichtet und gekehrt ist. Du wirst darin gute Krampen für Deine Füße und als Sitz ein kleines, sicher befestigtes Brett finden. Wenn der, welcher Dir aufgemacht hat, Dich heißen wird, in den Kamin zu steigen, wirst Du es tun und Dich ruhig darin verhalten. Erlauchte Herren werden sich in dem Gemache vor dem Kamin, in dem Du sein wirst, vereinigen. Es sind Wilhelm der Schweiger, Prinz von Oranien, die Grafen von Egmont, von Hoorn, von Hoogstraten und Ludwig von Nassau, der wackere Bruder des Schweigers. Wir Reformierten wollen wissen, was diese Herren unternehmen wollen und können, um die Lande zu retten.“