„Ich verstehe nicht,“ sprach Egmont.
Der Prinz erwiderte: „Ich will nicht mehr sagen, doch es sollen Euch und den versammelten Herren gewisse Briefe verlesen werden, mit denen des armen Gefangenen Montigny anfangend.“
In diesen Briefen schrieb Herr von Montigny:
„Der König ist höchlichst erzürnt ob der Geschehnisse in den Niederlanden, und er wird die Begünstiger der Unruhen zur gegebenen Zeit strafen.“
Worauf Graf Egmont sagte, daß es ihn fröre und daß man gut täte, ein starkes Holzfeuer anzulegen. Solches geschah, dieweil die beiden Herren über die Briefe sprachen. Aber das Feuer wollte nicht brennen, aus Ursach des allzu großen Pfropfens, der im Kamin war, und das Gemach wurde voll Rauch.
Hustend verlas Graf von Hoogstraten alsdann die aufgefangenen Briefe Alavas, des hispanischen Gesandten, die an die Regentin gerichtet waren.
„Der Gesandte“, sagte er, „schreibt, daß alles Unheil, so in den Niederlanden geschehen, das Werk der Drei sei; zu vermelden: der Herren von Oranien, von Egmont und von Hoorn. Man müsse, sagt er, den drei Herren ein freundlich Gesicht zeigen und ihnen sagen, daß der König anerkenne, daß er diese Lande durch ihre Dienste in Botmäßigkeit erhalten. Was aber die beiden, Montigny und de Berghes beträfe, so seien sie da, wo sie bleiben sollten.“
„Ei,“ sagte Ulenspiegel, „mir ist ein rauchiger Kamin im Lande Flandern lieber denn ein kühles Gefängnis im Lande Hispanien; sintemalen zwischen den feuchten Mauern Knebel wachsen!“
„Besagter Gesandte fügt hinzu, daß der König in der Stadt Madrid gesagt habe: „Durch alles, was in den Niederlanden sich zugetragen, ist Unser königliches Ansehen erschüttert, der Gottesdienst erniedrigt, und lieber werden Wir alle Unsere Lande in Gefahr bringen, als eine solche Rebellion ungestraft lassen. Wir sind entschlossen, in höchsteigner Person nach den Niederlanden zu reisen und Papst wie Kaiser um Beistand anzugehen. Unter dem gegenwärtigen Unglück ruht das zukünftige Glück. Wir werden die Niederlande unter Unsre uneingeschränkte Botmäßigkeit zwingen und Staat, Religion und Regierung nach Unserm Belieben ändern.“
„Ha, König Philipp,“ sprach Ulenspiegel zu sich, „so ich Dich nach meiner Art ändern könnte, würdest Du unter meinem vlämischen Knüttel eine gewaltige Veränderung Deiner Schenkel, Arme und Beine erleiden. Ich würde Dir den Kopf mit zwei Nägeln mitten auf den Rücken heften, um zu sehen, ob Du in dem Zustande, wenn Du den Totenacker, den Du hinter Dir lässest, erblickst, auch noch das Lied von der tyrannischen Veränderung singst.“