Die, so König Philipp und seinem Sohne Don Carlos dienten, wußten nicht, welchen von beiden sie am meisten fürchten sollten, den behenden, mörderischen Sohn, der seine Diener mit seinen Nägeln zerfleischte, oder den feigen, tückischen Vater, der sich andrer bediente, um zu schlagen, und gleich einer Hyäne von Leichen lebte.

Die Diener erschraken, da sie sie um einander herum schleichen sahen. Und sie sagten, daß in Bälde etwelcher Todesfall im Escurial eintreten würde.

Nun aber erfuhren sie bald, daß Don Carlos wegen Verbrechen des Hochverrats eingekerkert sei. Und sie wußten, daß sich seine Seele in finsterm Groll verzehrte und daß er sich im Gesicht verletzt hatte, als er sich durch die Eisenstäbe seines Gefängnisses zwängen wollte, um zu entfliehen, und daß Madame Isabella von Frankreich unablässig weinte.

Aber König Philipp weinte nicht.

Und es ging das Gerücht, daß man Don Carlos grüne Feigen gegeben und daß er am nächsten Tage gestorben sei, gleich als wäre er eingeschlafen. Die Aerzte sagten: Sobald er die Feigen gegessen hatte, hörte das Blut auf zu pulsen und alle Funktionen des Lebens, wie die Natur sie vorschreibt, waren unterbrochen. Er konnte nicht mehr ausspeien, noch erbrechen, noch irgend etwas aus seinem Körper hinausbringen. Sein Leib schwoll beim Sterben auf.

König Philipp hörte für Don Carlos die Seelenmesse, ließ ihn in der Kapelle seiner königlichen Residenz beisetzen und einen Stein über seinen Leichnam decken; aber er weinte nicht. Und die Diener sprachen untereinander, indem sie mit der prinzlichen Grabschrift, so auf dem Leichenstein stand, ihren Spott trieben:

Hier ruht, der grüne Feigen gegessen;

Er starb und ist nicht krank gewesen.

A qui jaze qui en para desit verdad

Morio sin infirmidad.