Inzwischen versteckten sich Maienbraut und Bräutigam in den Büschen. Der oder die, so einen von ihnen fand, war nach dem Geschlechte des Findlings und dem seinigen, König oder Königin des Festes.
Nele hörte die Freudenrufe der Burschen und Dirnen, als die Maienbraut am Rand eines Grabens, in hohem Grase versteckt, gefunden ward. Und sie weinte, der holden Zeiten gedenkend, da man sie suchte, sie und ihren Freund Ulenspiegel.
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Dieweil ritten er und Lamm, hier ein Bein und da ein Bein, auf ihren Eseln.
„Wohlan, höre, Lamm,“ sprach Ulenspiegel. „Die Adligen der Niederlande haben aus Eifersucht gegen Oranien die Sache der Verbündeten, den heiligen Bund verraten, den tapferen Kompromiß, der zum Wohle des Vaterlandes unterzeichnet ward. Von Egmont und von Hoorn waren gleichermaßen Verräter und ohne Nutzen für sie. Brederode ist tot, und uns bleibt in diesem Kriege nur das arme Volk von Brabant und Flandern, das treue Führer erharrt, um vorzudringen. Und dann, mein Sohn, sind noch die Inseln da, die Inseln von Zeeland, auch Nord-Holland, dessen Statthalter der Prinz ist, und weiter noch über das Meer, Edgard, Graf von Emden und Ostfriesland.“
„Wehe,“ sprach Lamm, „ich sehe es klar, wir pilgern zwischen Strick, Rad und Scheiterhaufen, vor Hunger sterbend und vor Durst gähnend, ohn alle Hoffnung auf Ruhe.“
„Wir sind erst im Anfang,“ erwiderte Ulenspiegel. „Geruhe, in Betracht zu ziehen, daß alles dabei für uns eine Lust ist: unsere Feinde zu töten, ihnen eine Nase zu drehen, unsere Säcke voller Gülden zu haben. Dazu haben wir guten Ballast von Fleisch, Bier, Wein und Branntwein. Was brauchst Du mehr, Federsack? Sollen wir unsere Esel verkaufen und Pferde einhandeln?“
„Mein Sohn,“ sagte Lamm, „der Trab eines Pferdes ist für einen Mann meiner Leibesstärke gar beschwerlich.“