Von Stahl die zweite gegeben.“
Doch Lamm seufzte:
„Ich habe nur eine gar weiche Haut, der geringste Dolchstoß würde sie ohne Verzug durchlöchern. Wir täten besser, uns irgend einem nützlichen Handwerk zu widmen, als derart über Berg und Tal zu vagieren, um all den großen Prinzen zu dienen, die mit den Beinen in sammetnen Hosen stecken und von vergüldeten Tafeln Fettammern speisen. Für uns sind Schläge, Gefahren, Schlacht, Regen, Hagel, Schnee und magere Landstreichersuppen. Für sie sind leckere Aale, fette Kapaune, duftende Krammetsvögel und saftige Masthühnchen.“
„Das Wasser läuft Dir im Munde zusammen, mein sanfter Freund“, sprach Ulenspiegel.
„Wo seid Ihr, frisches Brot, goldene Pfannkuchen und köstliche Rahmspeise? Ja, wo bist Du, mein Weib?“
Ulenspiegel versetzte:
„Die Asche brennt auf meinem Herzen und treibt mich in die Schlacht. Du aber, sanftes Lamm, das weder den Tod von Vater noch Mutter, noch den Kummer derer, die Du liebst, noch Deine gegenwärtige Armut zu rächen hast, laß mich allein wandern, wohin ich muß, wenn des Krieges Beschwerden Dich schrecken.“
„Allein?“ sprach Lamm und brachte plötzlich seinen Esel zum stehen. Der hub an, einen Distelstrauch zu benagen, deren es auf diesem Wege eine große Ernte gab. Ulenspiegels Esel stand still und fraß desgleichen.
„Allein?“ sprach Lamm. „Du wirst mich nicht allein lassen, mein Sohn, das wäre eine ausgesuchte Grausamkeit. Mein Weib verloren haben und auch noch meinen Freund verlieren, das kann nicht sein. Ich werde nicht mehr stöhnen, ich gelobe es Dir. Und da es sein muß,“ / und er hub stolz das Haupt / „so werde ich in den Kugelregen gehen, ja! / Und mitten in die Degen hinein, jawohl, und unter die schmählichen Söldlinge, die Blut trinken wie die Wölfe. Und wenn ich eines Tages blutend und zu Tode getroffen zu deinen Füßen falle, begrabe mich, und so Du mein Weib siehest, sag ihr, ich sei gestorben, weil ich nicht leben konnte, ohne von irgend einem in dieser Welt geliebt zu werden. Nein, das vermöcht ich nicht, mein Sohn Ulenspiegel.“
Und Lamm weinte. Und Ulenspiegel ward gerührt, da er diesen sanften Mut sah.