„Nein,“ sagte Lamm, „ich habe es überlegt und gehe nicht hinein.“
„Willst Du deinen Freund ganz allein der Fährlichkeit unter diesen Astartes aussetzen?“
„Möge er nicht gehen,“ sagte Lamm.
„Aber wenn er doch hingehen muß, um die Sieben und dein Weib zu finden?“
„Ich möchte lieber schlafen,“ sprach Lamm.
„Ei komm doch,“ sagte Ulenspiegel, öffnete die Türe und schob Lamm vor sich her. „Sieh, die Wirtin sitzt hinter ihren Fässern zwischen zwei Kerzen. Das Gemach ist weit, mit einer Decke von gedunkeltem Eichenholz und rauchgeschwärzten Balken. Rund herum sind Bänke und Tische mit wackligen Beinen, mit Gläsern, Schoppen, Bechern, Humpen, Krügen, Karaffen, Flaschen und anderm Trinkgerät. In der Mitte sind abermals Tische und Stühle, darauf Schauben, das sind Weibermäntel, güldene Gürtel, Stelzschuhe von Sammet, Dudelsäcke, Pfeifen und Schalmeien herumliegen. In der Ecke ist eine Stiege, die ins obere Stockwerk führt. Ein kleiner, kahlköpfiger Buckliger spielt auf einem Clavizimbal, das auf Glasfüßen steht, so dem Instrument einen scharfen Ton geben. Tanze, mein Dicker. Fünfzehn schöne Dirnen sitzen dort, die einen auf Tischen, die andern auf Stühlen, rittlings, gebückt oder gerade, mit aufgestütztem Ellenbogen, verkehrt herum oder nach ihrer Laune auf dem Rücken oder auf der Seite liegend. Sie sind weiß oder rot gekleidet, ihre Arme sind nackt, ebenso die Schultern und die Brust bis an die Mitte des Körpers. Es sind ihrer von allen Sorten da, auserlesene! Bei den einen läßt das Kerzenlicht, das ihre blonden Haare liebkost, die blauen Augen im Schatten, also daß man nur ihren feuchten Glanz schimmern sieht. Andere schauen zur Decke hinauf und säuseln zur Laute ein deutsches Lied. Wieder andre, rund, braun, fett und schamlos, trinken Wein von Amboise aus vollen Humpen, zeigen ihre runden, bis zur Schulter nackten Arme und ihr halb offnes Gewand, aus dem die runden Brüste wie Äpfel hervorsehen, und ohne Scham sprechen sie mit vollem Munde, eine nach der andern oder alle zumal. Höre sie an:
„Nichts da von Geld heute! Liebe wollen wir. Liebe nach unsrer Wahl“, sagten die schönen Dirnen, „Liebe eines Kindes, Jünglings oder wer immer uns gefällt, ohne zu zahlen“. / „Mögen die, in die Natur die männliche Kraft legte, die wahre Männer macht, zu uns an diesen Ort kommen, um Gottes und unsrer Liebe willen.“ / „Gestern war der Tag, da man zahlte, heute ist der Tag, da man liebt!“ / „Wer will von unsern Lippen trinken, sie sind noch feucht von der Flasche. Wein und Küsse, das ist ein vollkommnes Fest!“ / „Wir spotten der Witwen, die allein schlafen. Wir sind Dirnen! Heute ist ein Tag des Wohltuns! Den Jungen, Starken und Schönen öffnen wir unsere Arme. Zu trinken!“ / „Schätzlein, ist es der Liebesschlacht halber, daß Dein Herz in der Brust die Trommel schlägt? Welche Unruhe! Das ist das Schlagwerk der Küsse! Wann werden sie kommen, mit vollen Herzen und leerem Geldbeutel? Wittern sie nicht leckere Abenteuer? Welcher Unterschied ist zwischen einem jungen Geusen und dem Herrn Markgrafen? Seine Gnaden bezahlt in Gülden und der junge Geuse mit Liebkosungen. Es lebe der Geuse! Wer will gehen und die Kirchhöfe erwecken?“
Also redeten die jungen, heißblütigen und fröhlichen unter den Mädchen von lockerem Wandel.
Aber es waren ihrer andere mit schmalem Gesicht und mageren Schultern, die um Ersparnisse mit ihrem Körper Handel trieben und den Preis ihres dürren Fleisches auf Heller und Pfennig aufschrieben. Diese schmälten untereinander: „Es ist recht einfältig von uns, in diesem ermüdenden Handwerk auf Entgelt zu verzichten um der wunderlichen Launen willen, die den mannstollen Dirnen durchs Hirn fahren. Wenn sie ein Mondviertel im Kopf haben, so haben wir es nicht. Wir ziehen es vor, in unsern alten Tagen nicht unsere Lumpen durch die Gosse zu schleifen wie sie, sondern uns bezahlen zu lassen, da wir feil sind. / Nichts von umsonst! Die Männer sind häßlich, stinkend, brummig, Fresser und Säufer. Sie allein bringen die armen Weiber ins Unglück!“
Doch die Jungen und Schönen vernahmen von diesen Reden nichts; sie waren ganz bei ihrem Vergnügen und Zechen und sagten: