„Wen liebst Du hier?“
„Keine, weder Dich noch die Andern; ich werde beim Magistrat Klage führen und er wird Euch peitschen lassen.“
„Ho, ho,“ sagten sie, „peitschen? Und wenn wir Dich vor dieser Peitscherei mit Gewalt küßten?“
„Mich?“ fragte Lamm.
„Dich,“ sagten sie alle.
Und siehe da! Die Schönen und die Häßlichen, die Frischen und die Verblühten, die Braunen und die Blonden stürzten sich auf Lamm, warfen sein Barett in die Luft, desgleichen seinen Mantel, und liebkosten und küßten ihn mit aller Kraft auf die Wange, die Nase, den Magen, den Rücken.
Die Wirtin lachte zwischen ihren Talglichtern.
„Zu Hilfe,“ schrie Lamm, „zu Hilfe! Ulenspiegel, fege mir alles dieses Lumpengesindel fort. Laßt mich los; ich will Eure Küsse nicht. Beim Heiligen Blut! Ich bin verheiratet und bewahre alles für meine Frau.“
„Verheiratet,“ sagten sie, „aber das ist zu viel für deine Frau; ein Mann von Deiner Beleibtheit! Gib uns ein wenig ab. Eine treue Frau, das ist wohlgetan; ein treuer Mann ist ein Kapaun. Gott steh Dir bei! Du mußt Eine wählen, oder wir peitschen Dich unsrerseits.“
„Das werde ich nicht tun,“ sagte Lamm.