„Wir müssen ihn peitschen,“ sagten sie. „Womit? Mit schönen Peitschen, so eine Schnur von gedörrten Leder haben. Ein stolzes Stäupen. Da widersteht die härteste Haut nicht. Nehmt zehn Peitschen von Fuhrleuten und Eseltreibern.“

„Zu Hilfe, Ulenspiegel!“ schrie Lamm.

Aber Ulenspiegel antwortete nicht.

„Du hast ein schlechtes Herz,“ sprach Lamm, seinen Freund überall suchend. Die Peitschen wurden gebracht. Zwei der Dirnen schickten sich an, Lamm das Wams auszuziehen.

„Wehe,“ sprach er, „mein armes Fett, das ich mit soviel Mühe angesetzt habe, das werden sie mir gewißlich mit ihren scharfen Peitschen herunterreißen. Aber Ihr Weibsbilder ohne Erbarmen, mein Fett wird Euch nichts nützen, nicht einmal, um es in die Brühe zu tun.“

„Wir werden Talglichte daraus machen. Ist es nichts wert, ohne Kosten Beleuchtung zu haben? Wer fortan sagen wird, daß das Licht von der Peitsche kommt, wird jedermann närrisch scheinen. Wir werden bis an den Tod daran festhalten und mehr als eine Wette gewinnen. Tunkt die Ruten in den Essig. So, dein Wams ist ausgezogen. Auf Saint-Jacques schlägt es Voll. Neun Uhr. Wenn Du beim letzten Schlag nicht gewählt hast, peitschen wir Dich.“

Lamm sagte, schier gelähmt:

„Habt Mitleid und Erbarmen mit mir, ich habe meiner armen Frau Treue geschworen und werde sie halten, ob sie mich gleich böslich verlassen hat. Ulenspiegel, mein Liebling, zu Hilfe!“

Doch Ulenspiegel ließ sich nicht blicken.

„Sehet mich,“ sprach Lamm zu den Dirnen, „sehet mich zu Euren Füßen. Kann man demütiger sein? Sage ich nicht genug damit, daß ich Eure große Schönheit gleich den Heiligen verehre? Glücklich der Ehelose, der Eure Reize genießen kann. Das ist ohne Zweifel das Paradies; aber schlagt mich nicht, wenn es Euch beliebt.“