„Liebe mich,“ sprach er.

„Dich lieben,“ sagte sie, „törichter Freund, der dessen nur nach der Laune der Stunde begehrt?“

Ulenspiegel antwortete: „Der Vogel, der über Deinem Haupt dahinfliegt, singt sein Lied und entfleucht. Also auch ich, süßes Herz: wollen wir zusammen singen?“

„Ja,“ sprach sie, „ein Lied vom Lachen und von Tränen.“

Und das Mädchen warf sich an Ulenspiegels Hals.

Da nun alle Beide im Arm ihrer Liebsten vor Wonne vergingen, siehe da drang beim Klange von Trommel und Pfeife eine lustige Kompanie von Meisenfängern ins Haus, die sich drängten, stießen, sangen, pfiffen, heulten und schimpften. Sie trugen Säcke und Käfige, ganz voll dieser kleinen Vögel, und die Eulen, die ihnen dabei geholfen hatten, rissen im Licht ihre gelben Augen auf.

Die Meisenfänger waren zehn Mann hoch, alle rot und vom Wein und Würzbier geschwollen. Die Köpfe wackelten ihnen und sie schleppten ihre schlotternden Beine und schrien mit so rauher, gebrochener Stimme, daß es die furchtsamen Mädchen bedünkte, eher wilde Bestien in einem Walde denn Menschen in einem Gemache zu hören.

Indessen sie ließen nicht ab zu sagen, indem sie einzeln oder allzumal sprachen: „Ich will, den ich liebe.“ / „Wir gehören dem, der uns gefällt. Morgen Denen, die an Gülden reich sind! Heute Denen, die an Liebe reich sind.“ Die Meisenfänger antworteten: „Gülden haben wir, Liebe desgleichen, für uns die Dirnen! Wer zurückweicht, ist ein Kapaun. Dies sind Meisen, wir sind Jäger. Drauf! Brabant dem guten Herzog!“

Doch die Frauenzimmer höhnten: „Pfui über die häßlichen Mäuler, die uns zu fressen gedenken! Den Schweinen gibt man keinen Sorbett. Wir nehmen, wer uns gefällt, und wollen mit Euch nichts zu tun haben. Ihr Öltonnen, Specksäcke, dürre Nägel, verrostete Klingen, Ihr stinkt nach Schweiß und Schmutz. Scheert Euch hinaus. Ihr werdet auch ohne unsere Hülfe verdammt werden.“

Sie aber sprachen: „Die Wälschen sind heuer wählerisch. Edle Fräuleins Zimperlich, Ihr könnet uns wohl geben, was Ihr aller Welt verkauft.“