Doch die Mädchen antworteten: „Morgen werden wir hündische Sklavinnen sein und Euch nehmen; heute sind wir freie Frauen und weisen Euch fort!“

Da schrien Jene: „Genug der Worte! Wer hat Durst? Laßt uns die Äpfel pflücken.“

So sprechend, stürzten sie sich auf sie, ohn Unterschied von Alter noch Schönheit. Die schönen Mädchen, zu ihrem Vorhaben entschlossen, warfen ihnen Stühle, Schoppen, Krüge, Becher, Humpen, Karaffen und Flaschen an den Kopf, daß es hagelte und sie verwundet, zerquetscht und ihnen die Augen ausgeschlagen wurden.

Ulenspiegel und Lamm kamen bei dem Lärm herzu und ließen ihre zitternden Liebhaberinnen oben an der Stiege. Da Ulenspiegel die Männer auf die Weiber losschlagen sah, ergriff er im Hof einen Besen, riß das Besenreis herunter, gab Lamm einen andern, und damit prügelten sie die Meisenfänger ohn Erbarmen.

Das Spiel dünkte den also durchgewalkten Trunkenbolden hart; sie hielten einen Augenblick inne, und die mageren Dirnen, die sich verkaufen und nicht verschenken wollten, selbst an diesem großen Tage der freiwilligen Liebe, wie die Natur sie gebeut, nutzten dies ohne Verzug. Wie Nattern glitten sie zwischen die Verwundeten, liebkosten sie, verbanden ihre Wunden, tranken den Wein von Amboise an ihrer Statt und leerten ihnen so trefflich die Säckel von Gülden und anderer Münze, daß ihnen auch nicht ein elender Heller blieb. Dann, da es Feierabend läutete, setzten sie sie vor die Tür, die Ulenspiegel und Lamm schon verlassen hatten.


29


Ulenspiegel und Lamm marschierten auf Gent und kamen bei Morgengrauen nach Lokeren. Die Erde war weithin betaut, weiße, kühle Dünste schwebten über den Wiesen. Da Ulenspiegel vor einer Schmiede vorbeikam, trillerte er wie die Lerche, der Vogel der Freiheit. Und alsbald erschien ein Kopf mit zerzaustem, weißem Haar in der Tür der Schmiede und ahmte mit schwacher Stimme den kriegerischen Trompetenstoß des Hahnes nach.

Ulenspiegel sagte zu Lamm: