„Da Michielkin bei Behauptung seiner Unschuld beharrte, ließ Spelle ihn abermals foltern und gab ihm dabei zu verstehen, daß er ihn los und ledig lassen würde, so er ihm hundert Gülden zahlte.
„Michielkin sagte, daß er lieber sterben würde.
„Da die von Damme die Kunde der Verhaftung und Tortur vernahmen, wollten sie als Massenzeugen auftreten, welches das Zeugnis aller guten Einwohner einer Gemeine ist. Einstimmig sagten sie aus, daß Michielkin keinesweges ein Ketzer wäre, jeden Sonntag zur Messe und zum Tisch des Herrn ginge, daß er niemals andere Gespräche über Unsere liebe Frau geführt hätte, als in bedrängten Umständen ihre Hülfe anzurufen. Dieweil er nimmer von einer irdischen Frau schlecht gesprochen hätte, würde er es mit viel mehr Grund nicht bei der himmlischen Mutter Gottes gewagt haben. Was die Gotteslästerungen anginge, so die falschen Zeugen in der Schenke zum Falken von ihm gehört haben wollten, so wäre das in jedem Punkt falsch und eitel Lug.
„Nachdem Michielkin freigelassen war, wurden die falschen Zeugen bestraft und Spelle forderte Pieter de Roose vor sein Tribunal, aber er entließ ihn wieder ohne Verhör noch Tortur für einmalige Zahlung von hundert Gülden. Aus Angst, das Geld, das ihm verblieb, möchte Spelles Aufmerksamkeit zum andern Mal auf ihn lenken, entfloh Pieter de Roose von Meulestee, indes Michielkin, mein armer Bruder, am Brand starb, der seine Füße ergriffen hatte.
„Er wollte mich nicht mehr sehen, ließ mich gleichwohl rufen, um mir zu sagen, ich sollte mich vor dem Feuer meines Leibes hüten; es würde mich zum Feuer der Höllen führen. Und ich konnte nur weinen, denn das Feuer ist in mir. Und er gab seine Seele in meinen Armen auf.“
„Ha,“ sagte sie, „wer den Tod meines geliebten, sanften Michielkin an Spelle rächen würde, der sollte auf immer mein Herr sein, und ich würde ihm gleich einer Hündin gehorchen.“
Dieweil sie so sprach, brannte Klasens Asche auf Ulenspiegels Brust. Und er beschloß, daß Spelle, der Mörder, gehenket werden sollte.
Boelkin, das war des Mädchens Name, kehrte nach Meulestee zurück. Sie war in ihrer Behausung sicher vor Pieter de Roose’s Rache, denn ein Ochsentreiber, der durch Destelbergh kam, brachte ihr Nachricht, daß der Pfarrer und die Bürger erklärt hätten, sie würden Spelle vor den Herzog bringen, so er Michielkins Schwester anrührte.
Ulenspiegel war ihr nach Meulestee gefolgt und trat in ein niederes Gemach in Michielkins Haus. Allda sah er ein Bildnis eines Zuckerbäckermeisters, das er für das des armen Toten hielt.
Und Boelkin sagte zu ihm: