„Martin van den Ende sagte mir auf meine Frage, ob er eine Frau ähnlich der meinen gesehen habe / ich machte ihm ein Bild meiner Liebsten / daß bei der Stevenyne auf der Brügger Landstraße vor der Stadt im „Regenbogen“ eine große Zahl Frauen seien. Sie vereinigten sich dort alle Abende. Ich gehe flugs dorthin.“
„Ich werde sogleich nachkommen,“ sprach Ulenspiegel. „Ich will mir die Stadt anschauen; so ich Deiner Frau begegne, werde ich sie Dir alsbald schicken. Du weißt, daß der Wirt Dich ermahnt hat, zu schweigen, wenn anders Dir Deine Haut lieb ist.“
„Ich werde schweigen,“ sprach Lamm.
Ulenspiegel strich nach Belieben herum. Die Sonne ging unter, und der Tag ging schnell zur Rüste. Ulenspiegel kam in die Pierpot Straetje, das Steintopfgäßchen. Allda hörte er melodisch die Laute spielen. Näher tretend, erblickte er eine weiße Gestalt, die ihn lockte, ihn floh und auf der Laute spielte. Und wie ein Seraph sang sie ein sanftes, langsames Lied, indem sie stehen blieb, ihn lockte und wiederum floh.
Aber Ulenspiegel rannte hurtig; er holte sie ein und wollte zu ihr reden; da legte sie ihm ihre nach Benzoe duftende Hand auf den Mund.
„Bist Du ein Bauer oder ein Edelmann?“ fragte sie.
„Ich bin Ulenspiegel.“
„Bist Du reich?“
„Genug, um ein groß Vergnügen zu bezahlen, aber nicht genug, um meine Seele loszukaufen.“
„Hast Du keine Rosse, daß Du zu Fuße gehst?“