Sie führte ihn zur Stevenyne in den „Regenbogen“ an der Landstraße nach Brügge. Ulenspiegel sah allda eine große Zahl Dirnen, die am Arm Rädlein von anderer Farbe als ihre Barchentkleider trugen. Diese trug ein Rädlein von Silberstoff auf einem Kleid von Goldstoff. Und alle Dirnen blickten sie eifersüchtig an. Beim Eintreten machte sie der Wirtin ein Zeichen, aber Ulenspiegel sah es nicht. Sie setzten sich zueinander und tranken.

„Weißt Du,“ sagte sie, „daß wer mich geliebt hat, für allezeit mein ist.“

„Schönes, duftendes Weiblein,“ sagte Ulenspiegel, „es wäre mir ein köstlicher Schmaus, allzeit von Deinem Fleisch zu zehren.“

Auf einmal erblickte er Lamm in einer Ecke; der hatte ein Tischlein mit Talglicht, einen Schinken und einen Krug Bier vor sich und wußte nicht, wie er sein Bier und Schinken zwei Dirnen streitig machen sollte, die mit aller Gewalt mit ihm essen und trinken wollten.

Da Lamm Ulenspiegel gewahrte, stand er auf, sprang drei Schuh hoch in die Luft und rief:

„Gelobt sei Gott, der mir meinen Freund Ulenspiegel wiedergibt! Zu trinken, Wirtin!“

Ulenspiegel zog seine Börse und sagte:

„Zu trinken, bis dies alle ist.“

Und er ließ seine Karolus klingen.

„So wahr Gott lebt“, rief Lamm und riß ihm behend die Börse aus den Händen. „Ich zahle, und nicht Du. Diese Börse ist mein.“