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Da sie Bein hier, Bein da ritten, kamen sie nach Oost-Camp, wo ein großer Wald ist, dessen Saum bis an den Kanal ging. Sie betraten ihn, um Schatten und liebliche Düfte zu finden, und sahen nichts andres, denn lange Waldwege, die in allen Richtungen nach Brügge, Gent, Süd- und Nord-Flandern führten.
Unversehens sprang Ulenspiegel vom Esel.
„Siehst Du dort nichts?“
Lamm sagte: „Ja, ich sehe.“ Und zitternd: „Mein Weib, mein gutes Weib. Das ist sie, mein Sohn. Ha! Ich vermag nicht, zu ihr zu gehen. Sie so wiederzufinden!“
„Worüber klagst Du?“ fragte Ulenspiegel. „So halb nackt ist sie schön, in dem Leibchen von geschlitzten Nesselleinen, welches das blühende Fleisch sehen läßt. Die da ist zu jung, sie ist nicht Deine Frau.“
„Mein Sohn,“ sprach Lamm, „sie ist es, mein Sohn; ich erkenne sie. Trag mich, ich kann nicht mehr gehen. Wer hätte das von ihr gedacht? So ohne Scham, als Zigeunerin gekleidet, zu tanzen! Ja, das ist sie; sieh ihre zierlichen Beine, ihre Arme, nackt bis zur Schulter, ihre runden, bräunlichen Brüste, die halb aus dem Nesselleibchen hervorsehen. Schau, wie sie mit der roten Fahne den großen Hund neckt, der danach springt.“
„Das ist ein Zigeunerhund,“ sprach Ulenspiegel; „die Niederlande bringen dergleichen nicht hervor.“