Jedoch das Feuer der Jugend war auch in der Brust des Infanten entzündet; aber es war nicht das rasche Feuer, das die starken Seelen zu hohen Taten treibt, noch die sanfte Glut, die zärtlichen Herzen Tränen entlockt. Es war eine düstere Lohe, der Hölle entstiegen, allwo sie sonder Zweifel Satan entfacht hatte. Sie glänzte in seinen grauen Augen wie im Winter der Mond auf einem Beinhaus, und brannte ihn grausam.
Da er keine Liebe für die Anderen fühlte, der arme Duckmäuser, wagte er nicht, sich den Damen anzubieten. Dann ging er in einen abgelegenen Winkel, eine kleine, weiß getünchte Kammer, die durch schmale Fenster erleuchtet war, allwo er sein Naschwerk zu verspeisen pflegte. Und die Fliegen kamen in Haufen dorthin um der Krumen willen. Dort liebkoste er sich selbst und zerquetschte ihnen langsam den Kopf an den Scheiben, und tötete sie zu Hunderten, bis seine Finger zu stark zitterten, um sein blutiges Geschäft fortzusetzen. Und er fand eine widrige Lust an dieser grausamen Kurzweil; denn Wollust und Grausamkeit sind zwei schändliche Schwestern. Und er verließ diesen Winkel trauriger denn zuvor, und Männlein und Weiblein flohen, wo sie es vermochten, das Antlitz dieses Prinzen, das so bleich war, als hätte er sich von Wundpilzen genährt.
Und der klägliche Prinz litt, denn böses Herz bringt Schmerz.
27
Die schöne holdselige Frau verließ eines Tages Valladolid, um nach ihrem Schlosse Dudzeele in Flandern zu reisen. Da sie nun, von ihrem fetten Kellermeister gefolgt, durch Damm kam, sah sie einen jungen Burschen von fünfzehn Jahren an der Mauer einer Hütte sitzen und den Dudelsack spielen. Vor ihm stand ein rotbrauner Hund, welcher diese Musik nicht liebte und melancholisch heulte. Die Sonne schien hell. Neben dem jungen Gesellen stand ein artig Mägdlein und lachte bei jeglichem Klaggeheul des Hundes.
Da die schöne Dame und der Kellermeister an der Hütte vorbei kamen, betrachteten sie den blasenden Ulenspiegel, die lachende Nele und den heulenden Titus Bibulus Schnuffius.
„Du böser Bube,“ sprach die Dame zu Ulenspiegel, „könntest Du nicht aufhören, diesen armen Hund also zum Heulen zu bringen?“ Aber Ulenspiegel schaute sie an und blies seinen Dudelsack noch tapferer. Und Bibulus Schnuffius heulte noch melancholischer, und Nele lachte noch lauter.
Der Kellermeister geriet in Zorn und sagte zu der Dame, auf Ulenspiegel weisend: