Und in der ganzen Grafschaft, sonderlich in Damm, Heyst und Knokke, wurden Fürbitten und Gebete angeordnet. Und das Volk stand wehklagend in den Kirchen.
In der Heyster Kirche, in der des Mägdleins Leiche ausgestellt war, weinten die Männer und Weiber beim Anblick ihres blutigen, zerrissenen Halses. Und die Mutter sagte in der Kirche: „Ich will zum Werwolf gehen und ihn mit den Zähnen töten.“
Und die Frauen trieben sie weinend an, solches zu tun. Und etliche sagten:
„Du wirst nicht wiederkehren.“
Und sie machte sich mit ihrem Mann und ihren beiden wohlbewaffneten Brüdern auf, den Wolf in Strand, Düne und Tal zu suchen, aber sie fanden ihn nicht. Und ihr Mann mußte sie nach Hause bringen, denn sie hatte sich in der nächtlichen Kälte das Fieber geholt. Und sie wachten bei ihr und flickten die Netze für den nächsten Fischzug.
In Erwägung, daß der Werwolf ein Tier ist, so von Blut lebt und nicht die Toten plündert, sagte der Amtmann von Damm, daß ohne Zweifel Diebe, die durch die Dünen streiften, diesem ihres ungerechten Vorteils wegen nachgingen. Darum ließ er durch öffentliches Ausschellen bekannt machen, daß männiglich wohl bewaffnet und mit Knütteln versehen auf alle Bettler und Tagediebe losgehen, sie gefangen nehmen und visitieren solle, ob sie in ihren Taschen Goldkarolus oder das eine und andre Stück von der Kleidung des Opfers hätten. Hernach sollten die rüstigen Bettler und Tagediebe auf des Königs Galeeren gebracht werden, die alten und bresthaften aber solle man laufen lassen. Aber man fand nichts.
Ulenspiegel ging zum Amtmann und sprach:
„Ich will den Werwolf umbringen.“
„Wer gibt Dir Zuversicht?“ fragte der Amtmann.
„Die Asche brennt auf meinem Herzen,“ antwortete Ulenspiegel. „Gebt mir Erlaubnis, in der Gemeindeschmiede zu arbeiten.“