„Wer ist dieser Dicke?“ fragte Très-Long und deutete mit dem Finger auf Lamm.

„Mein Geselle und Freund,“ antwortete Ulenspiegel. „Er will gleich mir seine Büchse, die eine gar liebliche Stimme hat, auf Deinem Schiffe das Lied von der Befreiung des Vaterlandes singen lassen.“

„Ihr seid beide wackre Leute,“ sagte Très-Long, „und sollt auf meinem Schiffe hinaus fahren.“

Es war im Februar: scharf war der Wind, stark der Frost. Nach drei Wochen verdrießlichen Wartens verläßt Très-Long Emden wider Willen. Mit der Absicht, in den Hafen Texel einzulaufen, segelt er von Vlinland ab, ist aber gezwungen, Wieringen anzulaufen, wo sein Schiff vom Eis eingeschlossen wird.

Bald gab es ringsum ein lustiges Schauspiel: Schlitten und Schlittschuhläufer, in Sammet gekleidet, Schlittschuhläuferinnen, in Jacken und Röcken, so mit Gold, Perlen und scharlachroter und himmelblauer Seide bestickt waren: Knaben und Mägdlein kamen und gingen, glitschten, lachten, liefen in langer Reihe hintereinander, oder paarweise und sangen das Lied der Liebe auf dem Eise. Oder sie gingen in die mit Fahnen geschmückten Buden und aßen und tranken Branntwein, Orangen, Feigen, Pfefferkuchen, Schollen, Eier, warme Gemüse und Schmalzkuchen oder Eetekoeken, das sind Krapfen, und Gemüse in Essig, dieweil ringsum Schlitten und Segelschlitten mit ihren Schnäbeln knirschend über das Eis hinfuhren.

Lamm suchte seine Frau und lief auf Schlittschuhen umher wie die lustigen Männlein und Weiblein; aber er fiel oftmals hin. Inzwischen ging Ulenspiegel in eine kleine Herberge am Hafen, um Speise und Trank zu sich zu nehmen; dort brauchte er seine Portion nicht teuer zu bezahlen, und er schwatzte gern mit der alten Wirtin.

Eines Sonntags gegen neun Uhr kehrte er dort ein und begehrte sein Mittagessen.

„Ei,“ sagte er zu einem artigen Frauenzimmer, das herbeikam, um ihn zu bedienen, „was hast Du mit Deinen früheren Runzeln gemacht? Dein Mund hat all seine weißen, jungen Zähne und Deine Lippen sind rot wie Kirschen. Ist dies sanfte, schalkhafte Lächeln für mich?“

„Nicht doch,“ sprach sie; „aber was soll ich dir geben?“

„Dich,“ sagte er.