„Es kommt der Amtmann, der Amthauptmann von Damm!“
Und derart lief er bis zum Rathause, um Bürgermeister und Schöffen dorthin zu berufen.
Alsdann hörte Nele zwei Hörner durch die dumpfe Stille. Alle aus Damm traten vor die Türen, vermeinend, daß Seine Königliche Majestät sich durch solche Fanfaren ankündigte.
Und Katheline trat auch an die Tür mit Nele. Von fern sahen sie glänzende Reiter, die zu Hauf ritten, und vor ihnen ritt ein Mann in schwarzem, mit Marderfell verbrämtem Sammetrock; sein Wams war mit echten Goldborten besetzt und die Stiefel von falbem Kalbsleder, mit Marderfell verbrämt. Und sie erkannten den Amthauptmann.
Hinter ihm ritten junge Ritter, die ohngeachtet der Verordnung Seiner hochseligen Kaiserlichen Majestät, an ihren Sammetgewändern Stickereien, Borten, Streifen und Einfassungen von Gold, Silber und Seide trugen. Und ihre Röcke, die sie unter ihren Mänteln trugen, waren gleich denen des Amtmanns mit Pelz verbrämt. Sie ritten munter daher, und die langen Straußenfedern, die ihre mit Knöpfen und güldenen Borten verzierten Baretts schmückten, wallten im Winde.
Und sie schienen alle gute Freunde und Kumpane des Amthauptmannes, in Sonderheit ein Ritter mit finsterer Miene, in grünen Sammet gekleidet und in einen Mantel mit goldverbrämtem schwarzem Sammet, desgleichen das mit langen Federn geschmückte Barett. Seine Nase hatte die Form eines Geierschnabels, die Lippen waren schmal; er hatte rote Haare, ein bleiches Gesicht und stolze Haltung.
Dieweil das Häuflein der Ritter vor Kathelines Haus vorbeiritt, fiel diese plötzlich dem Pferde des bleichen Ritters in den Zügel und rief närrisch vor Freude:
„Hans, mein Geliebter, ich wußte es, Du kehrst wieder. Wie schön Du bist, so ganz in Sammet und Gold, wie eine Sonne auf dem Schnee! Bringst du mir die siebenhundert Karolus? Wirst Du wiederum schreien wie der Fischadler?“
Der Amthauptmann hieß das Häuflein der Edelleute still halten, und der bleiche Ritter sagte:
„Was will diese Geusin von mir?“