Es läutete Mittag, die Hitze war groß, tief die Einsamkeit. Ulenspiegel sagte kein Wörtlein, doch er zog sein neues Wams aus, auf daß sich die Dame im Schatten einer Linde setzen könnte, ohne die Kühle des Grases zu fürchten. Er aber blieb seufzend neben ihr stehen.
Sie blickte ihn an, und es erbarmte sie des schüchternen Knaben. Sie fragte ihn, ob er es nicht müde sei, so auf seinen allzu jungen Beinen zu stehen. Er erwiderte kein Wörtlein, und als er sich neben sie niederfallen ließ, wollte sie ihn auffangen und zog ihn auf ihre nackte Brust; da blieb er so gern liegen, daß sie vermeint hätte, die Sünde der Grausamkeit zu begehen, wenn sie ihm ein ander Schlummerkissen angewiesen hätte.
Indeß der Kellermeister kam zurück und vermeldete, er habe die Gürteltasche nicht gefunden.
„Ich fand sie selbst wieder,“ entgegnete die Dame, „da ich vom Pferde stieg, denn wie ich sie loshakte, war sie am Steigbügel hangen geblieben. Jetzo geleite uns nach Dudzeele,“ gebot sie Ulenspiegel, „und sage mir, wie du heißest“.
„Mein Schutzpatron ist der heilige Herr Thylbert, das bedeutet, leichtfüßig, um den guten Dingen nachzulaufen. Mein Vater heißt Klas und mich heißen sie Ulenspiegel. So Ihr Euch in meinem Spiegel betrachten wollt, werdet Ihr merken, daß in diesem ganzen Lande Flandern keine Blume von so blendender Schönheit ist wie Eure duftende Anmut“.
Die Dame errötete vor Vergnügen und war Ulenspiegel nicht gram.
Und Soetkin und Nele weinten ob seines langen Verweilens.