„Du bist mein grüner Ritter, schön wie die Sonne. Nimm das Feuer fort, Herzliebster.“

Darauf sprach Nele an ihrer Stelle:

„Sie kann nichts bekennen, als was Ihr schon wisset, Euer Gnaden und Ihr Herren. Sie ist keine Hexe, sondern nur irre.“

Nunmehr redete der Amtmann und sprach:

„Zauberer ist der, welcher durch teuflische Mittel, wissentlich angewendet, sich bemüht, irgend etwas zu erreichen. Nun sind diese beiden, Mann und Weib, Zauberer nach Absicht und Tat, er, weil er ihr die Salbe für den Hexensabbat gegeben und sich das Gesicht hell wie Luzifer gemacht hat, um Geld und Befriedigung seiner Wollust zu erhalten; sie, weil sie sich ihm unterworfen hat, da sie ihn für einen Teufel hielt, und sich seinen Begierden hingegeben hat. Er hat sich mit Zauberei abgegeben, sie ist seine offenbare Mitschuldige. Derhalben dürfen wir kein Mitleid haben, und ich muß es sagen, denn ich sehe die Schöffen und das Volk der Frau allzu wohl gesinnt. Sie hat zwar nicht gemordet noch gestohlen, noch Vieh und Menschen behext, noch irgend einen Kranken durch außergewöhnliche Mittel geheilt, sondern nur durch Hausmittel, so der ehrbaren, christlichen Arzeneikunde bekannt sind. Aber sie wollte ihre Tochter dem Teufel ausliefern, und wenn diese nicht trotz ihrer Jugend mit so redlichem, wackeren Mute widerstanden hätte, so hätte sie Hilbert nachgegeben und wäre wie jene eine Hexe geworden. Darum so frage ich die Herren vom Gericht, ob sie nicht der Meinung sind, daß die Beiden auf die Folter gespannt werden müssen!“

Die Schöffen antworteten nicht und zeigten dadurch genugsam, daß solches nicht ihr Wunsch sei, soweit es Katheline betraf.

Darauf redete der Amtmann weiter:

„Ich bin gleich Euch von Mitleid und Erbarmen für sie bewegt. Aber konnte diese irrsinnige Hexe, die dem Teufel so trefflich gehorchte, nicht mit einer Sichel ihrer Tochter den Kopf abschneiden, wenn ihr mitangeklagter Buhle es ihr befohlen hätte, gleichwie es Katharine Daru im Lande Frankreich auf Geheiß des Teufels bei ihren beiden Töchtern getan hat? Konnte sie nicht, wenn ihr schwarzer Gemahl es ihr geboten hätte, Tiere töten, die Butter im Butterfaß gerinnen machen, indem sie Zucker hinein warf? Konnte sie nicht in Person allem Teufeldienst, Hexentanz, Greueln und Buhlschaft der Zauberer beiwohnen? Konnte sie nicht Menschenfleisch essen und die Kinder schlachten, Pasteten daraus machen und sie verkaufen, wie ein Pastetenbäcker in Paris es getan hat? Konnte sie nicht die Lenden der Gehenkten abschneiden und forttragen, um hineinzubeißen und solchergestalt schändlichen Diebstahl und Entweihung zu begehen? Und ich fordere vom Gerichtshof, daß alle beide, Katheline und Joos Damman, auf die Folter gebracht werden, um zu erfahren, ob sie kein anderes Verbrechen als die schon bekannten und erforschten begangen haben. Da Joos Damman sich weigert, irgend etwas außer dem Mord zu gestehen, und Katheline gar nichts ausgesagt hat, so erheischen die Reichsgesetze das Verfahren, das ich bezeichnet habe.“

Und der Spruch der Schöffen lautete auf Tortur am Freitag, welcher übermorgen war.

Und Nele rief: „Gnade, Ihr Herren,“ und das Volk rief mit ihr. Aber es war vergeblich.