„Nele, das Mägdlein, die ihre Mutter Katheline mit so großer Liebe verteidigt, hat in der Tasche, die an den Rock, den Feiertagsrock derselbigen angenäht ist, ein Brieflein gefunden, Joos Damman unterzeichnet. Unter den Überbleibseln von Hilbert Ryvisch fand ich in der Gürteltasche des Toten einen andern Brief von besagtem Joos Damman, dem hier vor Euch gegenwärtigen Angeklagten. Ich habe alle beide bei mir bewahrt, damit Ihr im rechten Augenblick, der jetzt gekommen ist, über die Hartnäckigkeit dieses Mannes urteilen und ihn nach Recht und Gerechtigkeit freisprechen oder verdammen könnt. Hier ist das in der Gürteltasche gefundene Pergament. Ich habe es nicht berührt und weiß nicht, ob es lesbar ist oder nicht.“

Die Richter waren darob in großer Bestürzung.

Der Amtmann versuchte die Pergamentkugel auseinander zu wickeln, aber es war vergeblich, und Joos Damman lachte.

Darauf sagte ein Schöffe:

„Legt die Kugel ins Wasser und hernach vors Feuer; wenn sie durch ein Geheimnis zusammengeklebt ist, werden Feuer und Wasser es auflösen.“

Das Wasser ward herbeigebracht; der Henker entzündete auf dem Felde ein großes Holzfeuer. Der Rauch stieg durch die grünenden Zweige der Gerichtslinde blau in den hellen Himmel empor.

„Leget den Brief nicht in das Becken,“ sagte ein Schöffe, „denn wenn er mit in Wasser gelöstem Ammoniak geschrieben ist, werdet Ihr die Schriftzeichen auslöschen.“

„Nein,“ sagte der anwesende Wundarzt, „die Schriftzüge werden nicht verlöschen; das Wasser wird nur die Tünche aufweichen, die das Öffnen dieser magischen Kugel verhindert.“

Das Pergament ward ins Wasser getaucht, erweicht und entfaltet.

Der Wundarzt sagte: „Haltet es nunmehr vors Feuer.“