„Wir erkennen besagte Wappen als die der Ryvisch und Damman. So helfe uns Gott und alle seine Heiligen.“

Der Amtmann sprach:

„Nach den, vom Schöffengericht gehörten und gelesenen Beweisen ist Herr Joos Damman ein Zauberer, Mörder, Weiberbetörer und Dieb am königlichen Gute und als solcher des Verbrechens an göttlicher und menschlicher Majestät schuldig.“

„Ihr sagt es, Herr Amtmann,“ entgegnete Joos, „aber Ihr werdet mich nicht verurteilen, aus Mangel an Beweisen. Ich bin kein Zauberer und war es nie, ich spielte nur die Rolle des Teufels. Was mein helles Gesicht betrifft, so habt Ihr das Rezept dafür, desgleichen für die Salbe, welches, ob schon es Bilsenkraut, eine giftige Pflanze, enthält, doch nur ein Schlafmittel ist. Wenn dieses Weib, das eine richtige Hexe ist, davon einnahm, versank sie in Schlaf und vermeinte zum Sabbat zu fahren, dort mit nach außen gedrehtem Gesicht in der Runde zu gehen und einen Teufel mit Bocksgesicht, der auf einem Altar stand, anzubeten. Wenn der Umgang beendet war, wähnte sie, daß sie ihn unter den Schwanz küßte, wie die Zauberer tun: nachher überließ sie sich mir, ihrem Freunde, zu seltsamen Paarungen, die ihrem ausschweifenden Sinne gefielen. Wenn ich, wie sie sagte, kalte Arme und kühlen Leib hatte, so war das ein Zeichen der Jugend, nicht der Zauberei. Aber Katheline wollte glauben, was sie wünschte, und mich für einen Teufel halten, ob ich gleich ein Mensch von Fleisch und Bein bin, ganz wie Ihr, die Ihr mich anseht. Sie allein ist schuldig. Indem sie mich für einen Teufel hielt und mich in ihr Bett nahm, sündigte sie mit Absicht und Tat gegen Gott und den Heiligen Geist. Demnach ist sie es, und nicht ich, die das Verbrechen der Zauberei beging; sie ist des Feuers würdig als rasende, boshafte Hexe, die sich für eine Irre ausgeben will, um ihre Bosheit zu verbergen.“

Doch Nele sprach:

„Hört Ihr ihn, den Mörder? Wie eine feile Dirne, die das Rädlein am Arm trägt, hat er das Gewerbe und Handwerk der Liebe getrieben. Hört Ihr ihn? Um sich zu retten, will er die verbrennen lassen, die ihm alles gab.“

„Nele ist boshaft,“ sprach Katheline, „höre nicht auf sie, Hans, mein Geliebter.“

„Nein,“ sagte Nele, „Du bist kein Mensch, Du bist ein feiger, grausamer Teufel.“ Sie umschlang Katheline mit ihren Armen und rief aus: „Ihr Herren Richter, hört nicht auf diesen bleichen Bösewicht. Er hat nur einen Wunsch: meine Mutter verbrannt zu sehen, so sie kein andres Verbrechen beging, als daß Gott sie mit Wahnsinn heimsuchte und sie die Hirngespinste ihrer Träume für Wirklichkeit hielt. Sie hat an Leib und Seele schon gar sehr gelitten. Laßt sie nicht sterben, Ihr Herren Richter. Lasset die Unschuldige in Frieden ihr traurig Dasein leben.“

Und Katheline sagte: „Nele ist boshaft, Du mußt ihr nicht glauben, Hans, mein Gebieter.“

Und unter dem Volk weinten die Frauen, und die Männer sagten: „Gnade für Katheline.“