Auf ein Geständnis, das Joos Damman nach erneuter Folter machte, sprachen der Amtmann und die Schöffen das Urteil. Er wurde verurteilt, aus dem Adel ausgestoßen und bei langsamen Feuer lebendig verbrannt zu werden, bis der Tod einträte. Er erlitt die Strafe am folgenden Morgen vor den Gitterfenstern des Rathauses und sagte immerfort: „Laßt die Hexe sterben, sie allein ist schuldig! Gott sei verflucht! Mein Vater wird die Richter töten.“ Und er gab den Geist auf.
Und das Volk sagte: „Sehet, wie er flucht und lästert; er verendet wie ein Hund.“
Am andern Tage fällten der Amtmann und die Schöffen ihren Spruch über Katheline. Sie ward verurteilt, im Brügger Kanal die Wasserprobe zu bestehen. Bliebe sie oben schwimmen, so sollte sie als Hexe verbrannt werden; ginge sie aber unter und verlöre dabei das Leben, so sollte sie als christlich gestorben angesehen und als solche auf dem Kirchhof begraben werden.
Am nächsten Tage wurde Katheline, die eine Wachskerze trug, barfuß und mit einem schwarzlinnenen Hemde bekleidet, in großer Prozession an den Bäumen entlang bis an das Ufer des Kanals geführt. Vor ihr her schritten der Dechant der Frauenkirche und seine Vikare, die Sterbegebete sangen, und der Meßner, der das Kreuz trug; hinter ihr der Amtmann von Damm, Schöffen, Gerichtsschreiber, Gemeindebüttel, der Profoß, der Henker und seine beiden Knechte. Am Ufer stand eine große Menge weinender Frauen und murrender Männer, beide voll Mitleids für Katheline, die wie ein Lamm dahinschritt, das sich führen läßt, ohne zu wissen wohin, und immer sagte:
„Nehmt das Feuer fort, mein Kopf brennt! Hans, wo bist Du?“ Nele, die unter den Frauen stand, schrie: „Ich will mit ihr hineingeworfen werden!“ Aber die Frauen wehrten ihr, daß sie Katheline nahte.
Vom Meere wehte ein scharfer Wind; vom grauen Himmel fiel ein feiner Hagel in das Wasser des Kanals. Der Henker und seine Knechte bemächtigten sich im Namen seiner königlichen Majestät eines Kahnes, der da war. Auf ihr Geheiß stieg Katheline hinein; der Henker stand darinnen, ergriff sie, und als der Profoß mit der Rute der Gerechtigkeit winkte, warf er Katheline in den Kanal. Sie kämpfte mit der Flut, aber nicht lange; dann sank sie unter, nachdem sie: „Hans, Hans, zu Hilfe,“ gerufen hatte.
Und das Volk sagte: „Dies Weib ist keine Hexe.“
Männer sprangen in den Kanal und zogen Katheline heraus. Sie war von Sinnen und starr wie eine Leiche. Dann ward sie in eine Schenke gebracht und vor ein starkes Feuer gelegt. Nele zog ihr die nassen Kleider und die Wäsche aus, um ihr andere anzulegen. Als sie wieder zu sich kam, sagte sie zitternd und zähneklappernd: „Hans, gib mir einen wollenen Mantel.“
Und Katheline konnte nicht wieder warm werden und starb am dritten Tage. Und sie ward auf dem Kirchhof begraben.
Und die verwaiste Nele begab sich ins Land Holland zu Rosa van Auweghem.