Um dieselbige Zeit nahmen die Geusen, unter denen Lamm und Ulenspiegel waren, Gorkum ein. Sie wurden vom Kapitän Marin befehligt. Dieser Marin, der ehemals Deicharbeiter war, spreizte sich in großem Hochmut und Dünkel und unterzeichnete mit Gaspard Turc, dem Verteidiger von Gorkum, eine Kapitulation, laut welcher Turc, die Mönche, Bürger und Soldaten, so in der Zitadelle eingeschlossen waren, frei abziehen sollten mit der Kugel im Munde, der Muskete auf der Schulter mit allem, was sie tragen konnten. Nur die Kirchengüter sollten den Belagerern verbleiben. Doch der Kapitän Marin hielt auf Befehl von Messire de Lumey die dreizehn Mönche als Gefangene zurück und ließ die Soldaten und Bürger ziehen.

Und Ulenspiegel sagte: „Soldatenwort soll gülden Wort sein. Warum hält er seines nicht?“

Ein alter Geuse antwortete Ulenspiegel:

„Die Mönche sind Satans Kinder, der Aussatz der Völker, die Schande der Länder. Seit dem Einmarsch des Herzog Alba tragen sie in Gorkum die Nase hoch. Einer unter ihnen, der Priester Nikolas, ist hoffärtiger als ein Pfau und wilder als ein Tiger. Allemal, wenn er mit seinem Heiligen Sakrament, darinnen seine aus Hundefett gemachte Hostie war, durch die Straße ging, sah er mit wütenden Blicken nach den Häusern, aus denen die Frauen nicht heraus kamen, um niederzuknieen. Er zeigte alle dem Richter an, die nicht vor seinem Götzenbild aus Teig und vergüldetem Kupfer das Knie beugten. Die andern Mönche taten des gleichen. Das war der Anlaß zu mehrfachem großen Jammer, Verbrennungen und grausamer Strafen in der Stadt Gorkum. Der Kapitän Marin tut wohl daran, die Mönche als Gefangene festzuhalten; wenn nicht, würden sie mit ihres Gleichen in die Dörfer, Marktflecken, Städte und Weiler gehen, gegen uns predigen, das Volk aufwiegeln und die armen Reformierten verbrennen lassen. Man legt die Bullenbeißer an die Kette, bis sie verenden; an die Kette mit den Mönchen, an die Kette mit den Bluthunden des Herzogs, in den Käfig mit den Henkern! Es lebe der Geuse!“

„Aber Seine Gnaden von Oranien, unser Freiheitsprinz, will, daß man bei denen, die sich ergeben, die persönliche Habe und das freie Gewissen achte,“ sprach Ulenspiegel.

Die alten Geusen erwiderten:

„Der Admiral will es nicht für die Mönche. Er ist Herr, er hat Briel erobert. In den Käfig mit den Mönchen!“

„Soldatenwort, gülden Wort! Warum bricht er es?“ entgegnete Ulenspiegel. „Die Mönche, die im Gefängnis sind, erdulden da tausend Mißhandlungen.“

„Die Asche brennt nicht mehr auf deinem Herzen,“ sagten sie. „Kraft der Edikte haben hunderttausend Familien die Handwerke, den Gewerbefleiß, den Reichtum unserer Länder nach dem Nordwesten, nach Engelland getragen; beklage denn die, so unser Verderben verschuldeten! Seit Kaiser Karl dem Fünften, dem ersten Henker, und unter dem gegenwärtigen, dem Blutkönig und zweiten Henker, sind hundertundachtzehntausend Personen hingerichtet worden. Wer trug die Totenkerze bei Mord und Tränen? Mönche und hispanische Söldner. Hörst du nicht die Seelen der Toten klagen?“