„Hier, Euer Gnaden,“ sagte der Bote.

Herr de Lumey las laut vor:

„Der gnädige Herr und Hauptmann Marin Brandt befiehlt allen Beamten, Gouverneuren und Offizieren der Republik ungefährdet passieren zu lassen“ usw.

De Lumey schlug mit der Faust auf den Tisch und zerriß den Paß. „Blut Gottes,“ schrie er, „was untersteht sich dieser Marin, dieser Lump, der vor der Einnahme von Briel nicht eine Heringsgräte zu beißen hatte! Er betitelt sich gnädiger Herr und Hauptmann und schickt mir Befehle, mir! Er verordnet und befiehlt! Sag Deinem gnädigen Herrn, daß er so sehr Hauptmann und gnädig ist, und so trefflich befehlen und verordnen kann, daß die Mönche alsogleich kurz und hoch sollen aufgehenkt werden, und Du mit ihnen, wenn Du Dich nicht packst.“

Und mit einem Fußtritt stieß er ihn aus dem Saale.

„Zu trinken!“ schrie er. „Habt Ihr die Anmaßung dieses Marin gesehen? Ich werde mein Essen wieder ausspeien, so wütend bin ich. Die Mönche sollen straks in ihrer Scheune gehenkt werden und der lustwandelnde Vläme soll hierher gebracht werden, nachdem er ihrer Hinrichtung beigewohnt hat. Wir wollen doch sehen, ob er es wagen wird, mir zu sagen, daß ich schlecht getan habe. Blut Gottes! Wozu braucht es hier noch Krüge und Gläser?“ Und mit lautem Krachen zerbrach er die Becher und das Geschirr, und niemand traute sich, mit ihm zu sprechen. Die Diener wollten die Scherben auflesen, er duldete es nicht, und indem er ohne Maß die Flaschen austrank, geriet er noch mehr in Wut, rannte mit großen Schritten umher und trampelte und stampfte wütend auf die Scherben. Ulenspiegel ward vor ihn geführt.

„Nun,“ sagte er zu ihm, „bringst Du Kunde von Deinen Freunden, den Mönchen?“

„Sie sind gehenkt,“ sagte Ulenspiegel, „und ein feiger Henker, der aus Habgier schlachtet, hat dem einen, nachdem er tot war, Bauch und Seiten aufgeschlitzt, wie bei einem Schwein, das man ausnimmt, um sein Fett einem Apotheker zu verkaufen. Soldatenwort ist nicht mehr gülden Wort.“

De Lumey zerstampfte die Trümmer des Geschirrs.

„Du trotzest mir, Du vier Schuh hoher Taugenichts, doch Du sollst auch gehenkt werden, nicht in einer Scheune, sondern auf offenem Markt, mit Schimpf und Schande vor allen Leuten.“