„Blut,“ sagte Ulenspiegel.
Am Abend kamen die Soldaten abermals mit ihrem Brote für sechs.
„Wo der Strick nicht mehr hinreicht, tut das Schwert die Arbeit,“ sagten sie. „Dreihundert Soldaten und siebenundzwanzig Bürger, die aus der Stadt zu entfliehen gedachten, lustwandeln jetzt mit dem Kopf in der Hand in die Hölle.“
Am folgenden Tag drang das Blut wiederum ins Kloster. Die Soldaten kamen, nicht um Brot zu bringen, sondern nur, um die Gefangenen zu betrachten. Sie sagten:
„Die fünfhundert Wallonen, Engländer und Schotten, so gestern geköpft sind, sahen gesünder aus. Diese da haben gewißlich Hunger; aber wer sollte Hungers sterben, wenn nicht der Geuse?“
Und wahrlich, bleich, abgezehrt, kraftlos und in kaltem Fieber erzitternd, waren sie alle Gespenstern gleich.
Am sechzehnten August um fünf Uhr abends traten die Soldaten lachend ein und gaben ihnen Brot, Käse und Bier. Lamm sprach:
„Das ist die Henkersmahlzeit.“
Um zehn Uhr kamen vier Fähnlein; die Kapitäne ließen die Türen des Klosters öffnen und befahlen den Gefangenen, zu viert hinter den Pfeifern und Trommlern zu marschieren, bis an den Ort, wo man ihnen Halt gebieten würde. Manche Straßen waren rot, und sie schritten nach dem Galgenfeld.
Hier und da waren die Wiesen mit Blutlachen befleckt; Blut war rings um die Mauern. Die Raben kamen von allen Seiten in Scharen; die Sonne verbarg sich in einer Nebelschicht. Der Himmel war noch hell, und in seinen Tiefen tauchten zaghaft die Sterne auf. Plötzlich vernahmen sie klägliches Geheul.