Aber Lamm sagte:

„Es ist nichts übrig als Schiffszwieback und Dünnbier.“

„Es lebe der Geuse,“ sagten sie. „Wir halten Fastenschmaus, bis die Stunde der Schlacht geschlagen hat.“

„Sie wird nicht so bald schlagen,“ sprach Lamm. „Die Amsterdamer werden kommen, um unsere Schiffe zu verbrennen, aber nicht diese Nacht. Zuvor müssen sie sich ums Feuer versammeln und viele Schoppen Glühwein mit Madeirazucker trinken / Gott gebe ihn Euch. Nachdem sie dann bis Mitternacht mit Geduld, Vernunft und vollen Schoppen geredet haben, werden sie beschließen, daß es morgen an der Zeit sein wird, zu beschließen, ob sie uns die kommende Woche angreifen wollen oder nicht. Morgen, wenn sie wiederum Glühwein mit Madeirazucker trinken, / Gott gebe ihn Euch / werden sie zum andern Mal mit Ruhe, Geduld und vollen Schoppen beschließen, daß sie sich an einem andern Tage versammeln müssen, um zu erfahren, ob das Eis eine große Schar Menschen tragen könne oder nicht. Und sie werden es durch gelahrte Männer prüfen lassen, die ihre Meinungen auf Pergament niederlegen. Wenn sie dieses empfangen haben, werden sie wissen, daß das Eis eine halbe Elle dick und fest genug ist, um etliche hundert Mann mit Kanonen und Feldstücken zu tragen. Dann werden sie sich abermals versammeln, um mit Ruhe, Geduld und vielen Schoppen Glühwein zu beratschlagen, und werden in Erwägung ziehen, ob sie wegen des Schatzes, den wir den Lissabonern abnahmen, unsere Schiffe angreifen oder verbrennen sollen. Und also ratlos und zaudernd, werden sie dennoch beschließen, daß unsere Schiffe erbeutet und nicht verbrannt werden müssen, ohngeachtet des großen Unrechts, daß sie uns derart zufügen würden.“

„Du sprichst trefflich,“ sagte Ulenspiegel, „aber siehst Du nicht die Feuer, so in der Stadt angezündet werden, und die Leute, die Laternen tragen und geschäftig umher rennen?“

„Das ist, weil sie frieren,“ sprach Lamm.

Und seufzend fügte er hinzu:

„Alles ist aufgegessen, kein Rindfleisch, Schweinefleisch noch Geflügel mehr, kein Wein und, ach, kein gutes Doppelbier, nichts als Schiffszwieback und Dünnbier. Wer mich lieb hat, folge mir.“

„Wohin gehst Du?“ fragte Ulenspiegel. „Niemand darf das Schiff verlassen.“

„Mein Sohn,“ sagte Lamm, „Du bist derzeit Kapitän und Befehlshaber. Ich werde nicht gehen, wenn Du es nicht willst. Geruhe aber zu bedenken, daß wir ehegestern unsere letzte Wurst gegessen haben, und daß in dieser schweren Zeit das Küchenfeuer die Sonne der guten Kameradschaft ist. Wer möchte hier nicht den Dampf der Brühen riechen, nicht die duftende Blume des göttlichen Weines einatmen, so aus fröhlichen Blüten, als da sind: Heiterkeit, Lachen, Wohlwollen gegen jedermann, gemacht ist. Wohlan, Kapitän und getreuer Freund, ich wage es Dir zu sagen: mein Herz verzehrt sich in Kummer, da ich nicht esse. Ich, der ich nur die Ruhe liebe, nicht gern töte, ausgenommen eine zarte Gans, ein fettes Hühnchen oder eine saftige Truthenne, ich folge Dir in Schlachten und Strapazen. Sieh von hier die Lichter auf jenem reichen, mit Groß- und Kleinvieh wohl versehenem Bauernhof. Weißt Du, wer darauf wohnt? Es ist der Schiffer aus Friesland, der Messire Dandelot verriet und achtzehn arme Ritter und Freunde nach Enckhuysen führte, da es noch spanisch war, also daß sie auf dem Roßmarkt zu Brüssel geköpft wurden. Dieser Verräter, namens Slosse, hat vom Herzog zweitausend Gülden für seinen Verrat empfangen. Für das Blutgeld hat er wie ein rechter Judas den Hof gekauft, den du da siehst, und sein Vieh und die Äcker ringsum, deren Frucht und Wachstum ihn jetzt reich machen.“