Alsobald legte ihr der Henker nasse Lappen auf die Brust, den Leib und die Beine, hob die Bank in die Höhe und goß ihr heißes Wasser in so großer Menge in den Magen, also daß sie ganz aufgeblasen schien. Dann ließ er die Bank zurückfallen.
Der Schöffe fragte Katheline, ob sie ihr Verbrechen bekennen wollte. Sie machte ein Zeichen der Verneinung. Der Henker goß ihr noch mehr heißes Wasser ein, aber Katheline brach alles aus. Da ward sie auf Anraten des Arztes losgebunden. Sie sprach nicht, aber sie schlug sich auf die Brust, zum Zeichen, daß das heiße Wasser sie verbrannt hätte. Als der Schöffe sah, daß sie sich von dieser ersten Folter erholt hatte, sagte er zu ihr:
„Bekenne, daß Du eine Hexe bist und daß Du die Kuh verzaubert hast“.
„Ich werde nicht bekennen“, sagte sie. „Ich liebe alle Tiere, so sehr mein armes Herz vermag, und lieber würde ich mir ein Leides tun als ihnen, so sie sich nicht verteidigen können. Um die Kuh zu heilen, habe ich die Mittel angewandt, die von Nöten sind“.
Doch der Schöffe erwiderte:
„Du hast ihr Gift gegeben, denn die Kuh ist tot“.
„Herr Schöffe,“ sprach Katheline, „ich bin hier vor Eurem Richterstuhl und in Eurer Gewalt. Dennoch wage ich Euch zu sagen, daß ein Tier an einer Krankheit sterben kann wie ein Mensch, trotz des Beistandes der Chirurgen und Ärzte. Und ich schwöre beim allerhöchsten Herrn Christus, der gern bereit war, für unsere Sünden am Kreuze zu sterben, daß ich dieser Kuh nichts antun wollte, sondern vielmehr sie durch einfache Mittel heilen.“
Da sagte der Schöffe wütend:
„Diese Teufelsdirne soll nicht unaufhörlich leugnen. Bringt sie auf eine andere Folterbank!“
Und er trank ein großes Glas Branntwein.