Bumble trank bis auf den letzten Tropfen aus, verspeiste eine geröstete Butterschnitte, entfernte die Krumen von seinen Knien, wischte sich die Lippen und küßte die Matrone bedächtig.

«Mr. Bumble!» rief die keusche Dame flüsternd; denn ihr Schrecken war so groß, daß ihr die Stimme fast versagte: «Mr. Bumble, ich werde schreien!»

Bumble sagte gar nichts, sondern legte langsam und mit Würde den Arm um ihren Leib. Da sie die Absicht, schreien zu wollen, bereits angekündigt hatte, so würde sie bei dieser neuen Keckheit natürlich geschrien haben; allein es wurde unnötig, indem hastig an die Tür geklopft wurde, worauf Bumble ebenso eilig aufsprang und mit großer Vehemenz die Portweinflaschen abzustäuben anfing. Mrs. Corney rief: «Herein!» Eine alte Frau steckte den Kopf in das Zimmer und verkündete, daß die alte Sarah im Sterben läge.

«Was geht es mich an!» entgegnete Mrs. Corney verdrießlich. «Kann ich sie am Leben erhalten?»

«Das kann freilich niemand, Ma'am; ihr ist nicht mehr zu helfen. Ich habe viel Kranke sterben sehen, kleine Kinder wie Männer in ihren besten Jahren, und weiß es auf ein Haar, wann der Tod im Anzuge ist. Jedoch ist sie unruhig in ihrem Geist und sagt, daß sie Ihnen noch etwas Notwendiges anzuvertrauen hätte. Sie könnte nicht ruhig sterben, eh' Sie nicht bei ihr gewesen wären, Ma'am.»

Die würdige Matrone murmelte eine beträchtliche Anzahl von Verwünschungen gegen die alten Frauen, die niemals sterben könnten, ohne absichtlich ihre Vorgesetzten zu belästigen, hüllte sich in einen wärmenden Mantel, bat Bumble, zu bleiben, bis sie wieder da wäre, und entfernte sich verdrießlich und keifend mit der an sie abgeschickten alten Frau.

Was Mr. Bumble tat, als er sich allein sah, war etwas unerklärlich. Er öffnete nämlich den Schrank, zählte die Teelöffel, wog die Zuckerzange, prüfte einen Milchgießer, ob er auch von echtem Silber wäre, setzte, nachdem er seine Wißbegier befriedigt, den dreieckigen Hut auf und fing an, sehr gravitätisch im Zimmer umherzutanzen, nahm darauf den Hut wieder ab, setzte sich an den Kamin, blickte umher und nahm offenbar im Geist ein Inventar über die im Zimmer befindlichen Mobilien auf.

24. Kapitel.

Welches sehr kurz ist, aber doch für wichtig befunden werden könnte.

Die Alte, welche die Ruhe des Zimmers Mrs. Corneys gestört hatte, war keine unpassende Todesbotin. Die Jahre hatten ihren Leib gekrümmt, alle ihre Glieder zitterten, denn sie war vom Schlage gerührt worden, und ihr runzliges, entstelltes Antlitz glich mehr einer grotesk-phantastischen Zeichnung als einem Werke aus den Händen der Natur.