Ach! wie wenige alte Gesichter gibt es, die uns durch ihre Schönheit erfreuen! Angst, Sorgen und Kümmernisse der Welt verwandeln das menschliche Antlitz, wie sie die Herzen umwandeln, und erst wenn jene schlummern und für immer vorüber sind, schwinden die unruhig bewegten Wolken und verhüllen und verdunkeln den hellen Himmel nicht mehr. Es ist sehr häufig bei den Gesichtern der Toten der Fall, daß sie selbst in ihrer Erstarrung den längst vergessenen Ausdruck schlummernder Kinder wieder annehmen und die Züge der Kinderjahre wieder bekommen, so ruhig und friedlich wieder werden, daß diejenigen, die sie in ihrer Kindheit gekannt, mit Ehrfurchtsschauern an ihren Särgen niederknien und den Engel schon auf Erden schauen.

Die Alte humpelte ihrer keifenden Vorgesetzten voran, blieb endlich keuchend stehen, um Atem zu schöpfen, und Mrs. Corney nahm ihr das Licht aus der Hand und ging allein in das Zimmer der Sterbenden, in welchem eine Lampe düster brannte. Am Krankenbette saß eine andere alte Frau, und am Kamine stand der Lehrling des Apothekers und Doktors und schnitt einen Zahnstocher aus einem Federkiel.

«Ein kalter Abend, Mrs. Corney», bemerkte der junge Herr, als die Dame eintrat.

«Sehr kalt, in der Tat, Sir», erwiderte die Vorsteherin im höflichsten Tone.

«Sie sollten bessere Kohlen von Ihren Lieferanten verlangen», sagte der Apothekerlehrling; «diese hier taugen absolut nichts für ein so kaltes Wetter.»

«Das ist Sache des Kollegiums, Sir», erwiderte die Dame.

Hier wurde das Gespräch durch das Stöhnen der Kranken unterbrochen.

«Oh,» sagte der junge Mann, indem er sein Gesicht dem Bette zugewandt, «mit der ist's vorbei.»

«Wirklich?» fragte die Matrone.

«Ich würde mich darüber wundern, wenn sie noch eine Stunde lebte. Heda, schläft sie, Alte?»