Sobald der Armenhausverwalter und seine Gattin fort waren, rief Monks, der einen unüberwindlichen Widerwillen gegen das Alleinsein zu hegen schien, einen Knaben, der irgendwo versteckt gewesen sein mußte, befahl ihm, mit der Laterne voranzugehen, und kehrte in das Gemach zurück, das er soeben verlassen hatte.
39. Kapitel.
In welchem alte Bekannte auftreten und Fagin und Monks die Köpfe zusammenstecken.
An dem Abende, der auf die im vorigen Kapitel erzählte Unterredung der drei wackeren Leute folgte, erwachte Sikes aus seinem Schlummer und fragte schlaftrunken, welche Zeit es wäre. Das Zimmer, in welchem er sich befand, war keins von denen, die er vor der Chertseyer Expedition bewohnt hatte, obgleich es sich in einem Hause nicht weit von seiner früheren Wohnung befand. Es war allem Anschein ein weit schlechteres Gemach und erhielt nur durch ein einziges Dachfenster Licht, das auf eine enge und schmutzige Gasse hinausging. Auch fehlte es nicht an mannigfachen anderen Anzeichen, daß Mr. Sikes zur äußersten Dürftigkeit herabgesunken war, was auch durch sein bleiches und abgemagertes Aussehen bestätigt wurde.
Der Einbrecher lag auf seinem Bett, in einen großen weißen Mantel gehüllt und mit einem Gesicht, das durch seine leichenhafte Blässe und einen mindestens eine Woche alten, stachligen, schwarzen Bart nichts weniger als verschönt war. Sein Hund saß neben dem Bett, bald seinen Herrn mit ernsten Augen anblickend, bald die Ohren spitzend und ein dumpfes Knurren ausstoßend, sobald ein Geräusch auf der Straße oder in dem unteren Teile des Hauses seine Aufmerksamkeit erregte.
An dem Fenster mit Ausbesserung eines dem Einbrecher gehörenden alten Kleidungsstückes beschäftigt, saß Nancy, welche gleichfalls so blaß und erschöpft von Hunger und Wachen aussah, daß man sie kaum anders als an der Stimme erkannt haben würde, als sie Sikes' Frage beantwortete. «Noch nicht lange sieben vorüber», sagte sie. «Wie befindet Ihr Euch heute abend, Bill?»
«So schwach wie Wasser», erwiderte er mit einem seiner gewöhnlichen Flüche. «Komm her, reich' mir die Hand und hilf mir von dem verdammten Bette.»
Sikes' Laune war durch seine Krankheit nicht freundlicher geworden, denn während ihn Nancy emporhob und nach einem Stuhle leitete, murmelte er Flüche über ihr Ungeschick und schlug sie.
«Plärrst du?» sagte er. «Laß das Winseln bleiben! Wenn du nichts Besseres weißt, so troll' dich lieber. Hörst du?»
«Freilich hör' ich», antwortete das Mädchen, das Gesicht abwendend und sich zu einem Lachen zwingend. «Was fällt Euch denn jetzt wieder ein, Bill?»