«Rechtlich sein hilft zu nichts in dieser Welt», bemerkte das erste Dienstmädchen.
«Messing hat's besser als das Gold, das die Feuerprobe bestanden hat», sagte das zweite.
Das dritte begnügte sich damit, seine Verwunderung darüber auszusprechen: «aus welchem besseren Stoffe die Damen wohl sein möchten»; und das vierte übernahm die Sopranstimme im Quartett: «'s ist 'ne Schande», womit die vier Dianen schlossen.
Ohne auf dieses alles zu achten – denn sie hatte wichtigere Dinge auf dem Herzen – folgte Nancy mit Beben dem Bedienten in ein kleines Vorzimmer, das durch eine von der Decke herabhängende Lampe erleuchtet war, und in welchem ihr Führer sie allein ließ.
40. Kapitel.
Eine seltsame Zusammenkunft, die eine Folge von den im vorigen Kapitel erzählten Ereignissen ist.
Nancy hatte ihr ganzes Leben in den Straßen und den ekelhaftesten Höhlen des Lasters der Hauptstadt zugebracht, dabei aber immer noch sich einen Rest von der Natur des Weibes bewahrt; und als sie die leichten, der Tür sich nähernden Schritte vernahm und des weiten Abstandes der Personen gedachte, die das Gemach im nächsten Augenblick einschließen würde, fühlte sie sich durch die Last ihrer tiefen Schmach gänzlich zu Boden gedrückt und fuhr in sich zusammen, wie wenn sie die Gegenwart der Dame kaum zu ertragen vermöchte, bei welcher sie vorgelassen zu werden gebeten hatte.
Allein gegen die besseren Gefühle kämpfte der Stolz an – die Sünde der Niedrigsten und Verworfensten wie der Höchststehenden und im Guten befestigt sich Dünkenden. Die elende Genossin von Dieben und Bösewichtern aller Art, die tiefgesunkene Bewohnerin der gemeinsten Schlupfwinkel, die Genossin der Auswürflinge der Gefängnisse und der Galeeren, die selbst im Galgenbereiche Lebende – selbst diese mit Schmach und Schande Beladene empfand zu viel Stolz, um auch nur einen schwachen Schimmer des weiblichen Gefühls zu verraten, welches ihr als Schwäche erschien, während es noch das einzige Band war zwischen ihr und der besseren Menschheit, deren äußere Spuren und Kennzeichen alle ihr wüstes Leben bei ihr vertilgt hatte.
Sie erhob die Augen zur Genüge, um zu gewahren, daß die Gestalt, welche jetzt erschien, die eines zartgebauten, holden Mädchens war; sie senkte die Blicke nieder und sagte, den Kopf mit angenommener Gleichgültigkeit emporwerfend: «Es hat schwer gehalten, zu Ihnen gelassen zu werden, Lady. Wär' ich empfindlich gewesen und fortgegangen, wie es viele getan haben würden, Sie möchten es dereinst bereut haben, und nicht ohne Grund.»
«Es tut mir leid, wenn man Sie unartig behandelt hat», erwiderte Rose. «Denken Sie nicht mehr daran und sagen Sie mir, weshalb Sie mich zu sprechen wünschen.»