«Ich bemitleide Sie!» sagte Rose mit bebender Stimme. «Es ist ja herzzerreißend, Sie anzuhören.»

«Gottes Segen über Sie und Ihre Güte!» erwiderte das Mädchen. «Wenn Sie wüßten, wie es mir bisweilen zumute ist, Sie würden mich bedauern, glauben Sie mir. Doch ich habe mich fortgeschlichen von Leuten, die mich sicherlich ermorden würden, wüßten sie, daß ich hier gewesen bin, um Sie von Dingen, die ich ihnen abgehorcht habe, in Kenntnis zu setzen. Ist Ihnen ein Mensch namens Monks bekannt?» Rose verneinte.

«Er kennt Sie», fuhr das Mädchen fort, «und wußte, daß Sie hier wohnten, denn nur dadurch, daß er es einem anderen sagte, ward es mir möglich, Sie aufzufinden.»

«Ich habe den Namen niemals nennen hören», sagte Rose.

«Nun, so führt er unter uns einen anderen, was ich wohl schon früher vermutet habe. Vor einiger Zeit und bald nachdem Oliver in der Nacht des beabsichtigten Raubes in Ihr Haus gehoben wurde, behorchte ich diesen Menschen, auf welchen ich Verdacht geworfen, als er mit Fagin eine Unterredung hatte. Ich erfuhr bei der Gelegenheit, daß Monks – der Mann, nach welchem ich Sie vorhin fragte –»

«Wohl, ich verstehe schon», sagte Rose.

«Daß Monks den Knaben an eben dem Tage, als wir ihn verloren, mit zwei von unseren Knaben zufällig erblickte und sogleich in ihm das Kind erkannt hatte, welchem er auflauerte, wiewohl ich mir nicht erklären konnte, weshalb. Er wurde mit Fagin darüber einig, daß der Jude, falls Oliver wieder zurückgebracht würde, eine gewisse Summe und noch mehr erhalten solle, wenn er einen Dieb aus ihm machte, was Monks zu irgendeinem Zweck wünschte.»

«Zu welchem Zwecke?» fragte Rose.

«Als ich horchte, um es zu erlauschen, erblickte er meinen Schatten an der Wand,» fuhr das Mädchen fort, «und es gibt außer mir nicht sehr viele Menschen, die, um der Entdeckung zu entgehen, zeitig genug sich aus dem Hause gefunden hätten. Mir gelang es indes, und ich sah ihn erst am gestrigen Abende wieder.»

«Und was trug sich da zu?»