«Ah!» sagte der Herr im grünen Rocke, eilfertig und mit Zuvorkommenheit aufspringend, «ah, entschuldigen Sie, mein gnädiges Fräulein – ich glaubte, es wäre irgendeine zudringliche Person, die – Sie werden mich gütigst entschuldigen. Bitte, nehmen Sie Platz!»

«Mr. Brownlow, wenn ich nicht irre, Sir?» sagte Rose, nachdem sie auf den andern Herrn einen Blick geworfen hatte.

«So ist mein Name, ja», erwiderte der alte Herr. «Dies ist mein Freund, Mr. Grimwig. Grimwig, Sie haben wohl die Gefälligkeit und verlassen uns auf einige Minuten.»

«Ich glaube nicht, daß es notwendig sein wird, den Herrn zu bemühen», bemerkte Rose. «Wenn ich nicht irre, so ist ihm die Angelegenheit, in welcher ich Sie zu sprechen wünsche, nicht fremd.»

Brownlow gab seine Einwilligung durch eine leichte Kopfneigung zu erkennen, und Grimwig, der eine sehr steife Verbeugung gemacht hatte und aufgestanden war, machte eine zweite sehr steife Verbeugung und nahm wieder Platz.

«Was ich Ihnen mitzuteilen habe, wird Sie ohne Zweifel sehr überraschen», begann Rose etwas verlegen. «Sie erwiesen einst einem mir sehr teuern jungen Freunde viel Wohlwollen und Güte, und ich bin überzeugt, daß es Sie freuen wird, wieder von ihm zu hören.»

«Einem jungen Freunde!» sagte Mr. Brownlow. «Darf ich seinen Namen wissen?»

«Oliver Twist!» erwiderte Rose.

Kaum waren die Worte ihrem Munde entflohen, als Grimwig, der sich gestellt hatte, als ob ihn der Inhalt eines auf dem Tisch liegenden großen Buches lebhaft interessierte, dasselbe mit großem Geräusche zuschlug, sich zurücklehnte, wobei sein Antlitz den Ausdruck des äußersten Erstaunens annahm, und lange mit großen, stieren Augen dasaß, worauf er, als ob er sich schämte, so viel innere Bewegung an den Tag gelegt zu haben, sich in seine vorige Stellung gleichsam wieder zurückschnellte und, indem er gerade vor sich hinstarrte, einen langen, pfeifenden Ton erschallen ließ, der nicht in der leeren Luft, sondern in den innersten Höhlen seines Magens zu ersterben schien.

Mr. Brownlow war nicht weniger erstaunt, wiewohl sein Erstaunen sich auf eine weit minder seltsame Art kundgab. Er rückte seinen Stuhl näher zu Rose heran und sagte: «Erzeigen Sie mir den Gefallen, mein liebes, gnädiges Fräulein, die Güte und das Wohlwollen, von welchem Sie reden, und wovon, Sie ausgenommen, niemand weiß, gänzlich außer Frage zu lassen; und wenn Sie irgend Beweise herbeizubringen vermögen, welche geeignet sind, mir die üble Meinung zu benehmen, die ich vormals von dem genannten unglücklichen Kinde zu hegen mich bewogen fand, so teilen Sie sie mir mit – ich bitte dringend darum.»