«Du weißt doch wohl, daß du das Geld aus dem Ladentische nahmst?»
«O ja, lieber Noah, aber ich nahm es für dich.»
«Nahm ich's hin und trug's bei mir?»
«Nein; du vertrautest mir und ließest 's mich tragen, und das war doch gut von dir», sagte Charlotte, ihn unter das Kinn klopfend und ihren Arm in den seinigen legend.
Es verhielt sich in der Tat so; allein es war Mr. Claypoles Weise nicht, in irgend jemand ein blindes und törichtes Vertrauen zu setzen, und wir lassen ihm nur Gerechtigkeit widerfahren, wenn wir bemerken, daß er Charlotten lediglich deshalb so sehr vertraut hatte, damit das Geld, wenn sie verfolgt würden, bei ihr gefunden werden möchte. Er ließ sich jedoch bei dieser Gelegenheit natürlich auf keine Darlegung seiner Beweggründe ein, und beide wanderten im zärtlichsten Einvernehmen miteinander weiter.
Seinem vorsichtigen Plane zufolge schritt Mr. Claypole, ohne anzuhalten, bis nach dem Engel von Islington weiter, wo er aus dem beginnenden Gedränge der Fußgänger und Fuhrwerke sehr scharfsinnig schloß, daß London nunmehr ernstlich anfinge. Er schaute nun einen Augenblick umher, welche Straßen die belebtesten und also am meisten zu meidenden schienen, lenkte in St. Johns Road ein und befand sich bald tief in dem Gewirr obskurer und schmutziger Straßen und Gassen zwischen Grays Inn Lane und Smithfield, einem Stadtteile mitten in London, der trotz der allgemeinen Fortschritte und ungemeiner Verschönerungen abscheulich geblieben ist.
Noah schaute fortwährend nach einem Gasthause aus, wie er es sich bei seinen Zwecken und seiner Lage wünschenswert dachte, stand endlich vor dem elendesten still, das er bis dahin gesehen hatte, und erklärte, hier für die Nacht einkehren zu wollen.
«Gib mir nun das Bündel,» sagte er, es seiner Begleiterin abnehmend, «und sprich nicht, außer wenn du angeredet wirst. Wie nennt sich das Haus? Was steht da – d-r-e-i –?»
«Krüppel», fiel Charlotte ein.
«Drei Krüppel – ein sehr guter Name,» bemerkte Noah. «Halt dich dicht hinter mir – vorwärts!»